Balaton, oh Balaton

Wenn man/frau so eine Packkünstlerin ist, wie ich es bin, dann wird das Suchen einer einzigen Sache, in diesem Fall meine Bikinihose, eine wahre Performance! Ein bisschen Beuys, ein wenig Kandinsky und für die tänzerische Einlage noch eine Prise Pina Bausch… ich bin fast wahnsinnig geworden!!! Um sie dann, also das Bikini-Höschen (nee, Hose passt besser) nach 3 fachem, rumschmeißen, umherwerfen und irgendwohin pfeffern des Kofferinhaltes (der nicht wenig ist!), schön zusammengerollt in einem Turnschuh fand…ich hab mir ja was gedacht beim Kofferpacken!

Also, Bikini an, eincremen (oder umgekehrt), Tasche packen, Tür zu schließen und los! Leider musste ich bei der vorletzten Handlung unterbrechen, da die f*ing Tür nicht abzuschließen war!! Ahhhhhhh…Türen und ich!!

Also, schnell zur Rezeption (da meine Hütte ganz am Ende des Campingplatzes lag und eh nichts los ist, wegen der Nebensaison, machte ich mir nicht allzuviel Sorgen wegen der offenen Tür… wohlweislich habe ich Tür phantomimisch abgeschlossen und mit vorgetäuschtem Nachrütteln der Klinge die Vorstellung beendet) und mein Problem schildern.

Bis vor der Reise war ich der festen Annahme, dass mein Englisch ganz gut wäre und mein Vokabular doch ganz anständig. Während der Reise kamen mir da so meine Zweifel und ich war das ein oder andere Mal doch etwas erschrocken, was da aus meinem Mund herauskam. Weder irgendeiner Sprache noch einem Dialekt ähnelte Wortfetzen, die mir selber auch fremd waren und zu erstaunt fragenden Gesichtern meines jeweiligen Gegenübers führten.

Diese besagten Wortfetzen kam dann auch bei der jungen Damen an der Rezeption raus…naja, ihren Gesichtsausdruck kann man sich ja vorstellen. Nachdem dann einigermaßen geklärt war, was denn mein Problem ist, erkläre sie nur ruhig, es sei ein wenig „tricky“, der Türgriff müsste ganz nach oben gedreht werden, um die Tür zu verriegelt. Diese Informationen wäre beim Einckecken ganz hilfreich gewesen…aber was weiß ich schon!?

Also, den Kilometermarsch wieder zurück, Türknauf ganz nach oben ziehen (diesmal hat es geklappt) und wieder den langen Weg zurück, diesmal schnurstracks zum Balaton.

Das Seebad hatte die Türen weit geöffnet, die Bezahlsaison ging nur bis zum 31.8. (so hab ich das wenigstens verstanden) und nun war, wie schon erwähnt Nebensaison.

Nun soll es ja tatsächlich Menschen geben, die behaupten, den Klimawandel gäbe es nicht und „wir haben halt Sommer und es war schon früher mal so heiß“, aber wenn man bis zu 200 Meter in den See reinwaten musst (und diese Zahl hab ich mir nicht ausgedacht), weil der Wasserpegel so niedrig ist, dass schwimmen und plantschen vorher nicht möglich wäre, dann nenne ich das nicht mehr „normal“!

Auch ich stapfte durchs badewannenwarme Wasser bis mir schließlich vom Wassertreten die Beine so weh taten, dass ich nach 5 Minuten umgedreht bin, um wieder ans Ufer zu gelangen. Das Wasser hatte bis dahin nur meine Unterschenkel benetzt, aber das war mir dann auch egal!

Aber schön ist er, der Balaton!

Abends bin ich dann Pizza essen gegangen, bzw. saß vor einer, der noch geöffneten Essensbuden und wagte mich an Oliven ran, die, unverständlicher Weise, sich auf meiner Pizza Cipolla befanden, um festzustellen, dass ich sie immer noch nicht mag. Aber ein klein wenig stolz war ich schon auf mich, dass ich dieses Wagnis auf mich genommen habe!

In meiner Hütte abends stellte ich meine Reise ein wenig in Frage… Allerdings hatte ich mit diesem Moment gerechnet, nur nicht, dass er schon so früh kommt, was für mich bedeutet, dass ich mich dementsprechend früh auch mit ihm auseinandersetzen „darf“!

Aber erstmal schlafen…und das funktioniert auf dieser Reise hervorragend!!

Den nächsten Morgen (also wir sind bei heute, Samstag, angekommen) war campingplatzungewöhnlich ruhig…ein weiteres Indiz dafür, dass es nebensaisoniert!

Knäckebrot, ungarische Salami, Käse und Erdnussbutter zu Cola (Kaffee hatte ich nicht)…was ein Festschmaus!

Dann packte ich eine Tasche für Siofók (da ich nicht wusste was mich erwartet, nahm ich für alle Fälle mal Badesachen mit) und machte mich, gegen den sommerlichen Wind (es wehte eine richtig starke Brise) gestemmt auf den Weg zum Bahnhof. Aus irgendeinem Grund hat die Ungarische-Bahn-App mich nicht bezahlen lassen und so stand ich, etwas ratlos vor dem Ticketautomat, der natürlich nur auf ungarisch war. Irgendwie schaffte ich es dann doch ein Hin-und Rückfahrtticket zu kaufen; ich schaffte es sogar noch ein drittes Ticket zu erstehen, dass ich gar nicht wollte.

Siofók ist… Siofók ist… Also ich habe mir da endlich neue On-Ear-Kopfhörer gekauft, was mich sehr glücklich gemacht hat!

Ansonsten hat es noch richtigen Ost-Charme, hat viele Stände, einen McDonalds mitten im Strandbad und scheint der Schinkenstaße am Ballermann, in der Hauptsaion sicher Konkurrenz zu machen!

Ich habe, etwas abseits des Nebensaison-Trubels, ein super leckeres Shrimps-Risotto gegessen und fragte mich, wer wohl demnächst mal mit mir hier Urlaub macht und mit mir „die Sau raus lässt“ (das Ferkel langt ja auch schon!)?!

Dann noch rasch im Penny ein paar Fressalien (inklusive Kaffee in Tütchen und Kondesmilch in kleinen Döschen) für das Abendessen und für’s Frühstück und Waschmittel gekauft (das natürlich nicht zum Verzehr!) und zurück zur Bahn.

Auch die ungarische Bahn ist unpünktlich oder fährt einfach nicht los, allerdings hier ohne Durchsage und keiner regt sich auf.

Der Fahrscheinkontrolleur war mit meinem Ticket nicht ganz einverstanden, aber nachdem ich englisch irgendwas sagte, verzog er nur Mund und Augenbrauen und ließ mich in Ruhe. Hatte ich in der Straßenbahn in Budapest auch schon mal, aber englisches volllabern scheint zu funktionieren! (Und da ist es auch gleich, ob es nur irgendwelche Wortfetzen sind, die keinen Sinn ergeben)

Im warmen Sommerregen (auch, wenn ich nach dem meteorologischen System gehe und bei mir schon seit dem ersten September Herbst ist) lief ich dann zum Campingplatz zurück, fing an diesen Beitrag zu schreiben. Und nun ist er für heute zu Ende!

Gehabt Euch wohl, Ihr lieben Menschen!

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