Wäsche waschen, Wasche wäschen

Bevor ich zu der Wäsche komme (ein eigentlich eher unspektakuläres Ereignis, aber die Überschrift heißt nun mal so), erzählte ich, chronologisch, wie es sich gehört, erstmal von gestern Abend.

Frisch geduscht und haargewaschen wanderte ich über die Campingplatz-Allee raus vor die Pforte, wo sich die Essensstände/Buden/Thekenrestaurants mit Außenbereichen befanden. „Schon wieder 2 der 4 Möglichkeiten, was zum Essen zu kriegen, zu“, musste ich mit Erschütterungen (und übler Vorahnung für die kommende neue Woche) feststellen.

Ungarisches Selbstbedienungstheke, bzw. Selbstbestellung an der Theke… Ein junger Mann fragte mich, was ich denn haben möchte (also, davon geh ich auf jeden Fall aus). Die Karte über der Bestelltheke war tatsächlich auf einer Seite ungarische und auf der anderen auf deutsch geschrieben, was es mir bei der Bestellung auf englisch aber nicht leichter machte…die ungarischen Wörter, die neben der deutschen Bezeichnung standen, waren einfach unaussprechbar für mich!!

Also bestellte ich eine „Beschreibung der Zutaten“… raus kam: eine Pizza mit ungarischer Salami und ungarischer Paprika in scharf. Und ein Bier, auch ungarische natürlich!

Ich setze mich in den Biergarten, der voll war (hatte ja auch sonst kaum noch was auf) und beobachtet die Menschen um mich herum. Fast alle schienen sich zu kennen, der Wirt war sein bester Kunde und wanderte von Tisch zu Tisch (kleiner Spoiler: um 19:00 wurden wir alle rausgeworfen, ich denke diese Lokalität hat sich auch in den Herbst bis zum nächsten Jahr verabschiedet 🤔?!).

Meine Pizza war pikant, dafür nicht  lecker, das Bier hingegen hat wirklich gut geschmeckt.

Irgendwann, während meines 2. Biers (oder heißt das 2. Bieres…wahrscheinlich eher das!) wurde der Großraumfernseher auf laut gestellt, ein Fußballspiel fing an, doch ca.20 Minuten später, der oben schon angesprochene Rauswurf: Thekenklappe zu, Stühle hoch, Ton weg, Fernseher aus…

Zu den Zeitpunkt hatte ich grade die Hochrechnung zur Sachsen-Anhalt-Wahl gelesen und das mir danach speiübel wurde hatte weder mit der Pizza, noch mit den 2 Bieren zu tun!

Ein bisschen gechattet mit Andrea, denn etwas Frustabbau musste jetzt sein!

Das der Schock über so ein … ich finde überhaupt kein Wort dafür… Wahlergebnis mich richtig umgehauen hat, merke ich, als ich nachts nicht einschlafen konnte und kurz vor Panikattacken (oder „die Angst vor der Angst“) stand.

Der Traum, ich wäre auf einem Schiff, welches wie eine Stadt gebaut ist und wir sollten alle hochspringen, damit die riesige Meeresschildkröte uns nicht frisst, dieser Befehl aber unter ging, da fast alle panisch hin-und her liefen, weil wir zeitgleich von einer Horde übelst fieser Piraten angegriffen wurden, die alle töten, ich dann am Schluss auch noch einen umbringen musste und dann ganz alleine auf diesem Stadtschiff war, ohne zu wissen, was als nächstes passiert…dieser Traum hat auch nicht unbedingt zu einer entspannten Nacht geführt.

Der nächste Morgen kam, ich immer noch aufgewühlt und spätestens jetzt umso dankbarer unterwegs zu sein… wer weiß was alles noch kommt!? Aber, wie gestern im Blogeintrag schon erwähnt: Die Hoffnung…und so weiter…!

Wäsche waschen, etwas ganz Profanenes, stand heute auf dem Programm! Ein kleiner Nervenkitzel blieb (da ich die ganze Wäsche zusammen waschen wollte): sehen meine Klamotten danach noch wie vorher aus oder trage ich von nun an Batik?

Mir an der Rezeption eine Marke für die Waschmaschine geholt und nett nachgefragt, ob denn die beiden Bungalows, schräg gegenüber von mir, frei wären, da ich meine Wäsche zum Trocken gerne auf deren  Wäscheschnüre („Wäscheschnure“ heißt es ja sicherlich nicht!) hängen würde, da ich keine hätte. Begeistert war er nicht: „Aber nur kurz“ seine Antwort und ich versicherte ihm, dass ich die Wäsche nicht unbeaufsichtigt da baumeln lassen würde!

Mich kurz mit der Maschine auseinander gesetzt, ein paar Worte mit einem älteren, deutschen Paar gesprochen, das größte Problem war dann der Verschluss der Waschkapselpackung…alter Schwede, also daran wäre fast die ganze Aktion gescheitert… und dann die Waschmaschine „einfach“ angemacht und gehofft! Auch wenn es Zeichen- und keine Spracheerklärungen waren…  sie waren doch sehr kryptisch!

18 Minuten sollte es dauern, Zeit sich einen leckerer 3 in 1-Kaffee zu machen und dann wieder zurück zur Maschine (man bedenkte den langen Weg; die Waschmaschine stand nahe der Rezeption).

Es hat tatsächlich geklappt: die Wäsche sah aus wie zuvor, nur halt nass, und freudig ging ich zu meinem kleinen Bungalow zurück, um meine Kleidung in der Nachbarschaft großzügig auf den Leinen zu verteilen.

Ein bisschen frühstücken, ein wenig lesen, etwas die nächsten Tage planen…und schon war die Wäsche unter der balatonischen Sonne getrocknet.

Laufschuhe an (meine Wanderschuhe haben nicht mehr in meinen Koffer gepasst…don’t ask!!!) und da Komoot mir keine passende Wanderung irgendwo in der Nähe anbot, einfach mal frei Schnauze laufen!

Alles leer, alle ausgeflogen, kein Mucks außer Grillengezirpe und dem Schwirren von Moskitos… Szabadisóstó ist ausgestorben (außer vereinzelte Reinigungskräfte, die sich an die Endreinigung der verlassenen Häuser, machten).

Vorbei an (leerstehenden) Häuser jeder Pracht und Kargheit, lief ich die Straßen rauf, die Straßen runter. Eine allmählich aufsteigende Panik, dass ich heute nichts mehr zu essen und zu trinken (der Aussage, des Typen an der Rezeption, dass das Hahnewasser trinkbar sein, vertraue ich nicht zu 100 %) bekommen würde, wuchs.

Den Balaton, der eher der Nordsee bei Ebbe glich, immer rechts neben mir, überlegte ich schon einen „Plan B der Essenstrategie“ als mir plötzlich, ein Imbiss in Bahnhofsnähe, durch leuchtende Neonröhren auffiel.

„Das ist vielleicht Deine letzte Chance“, dachte ich mir und stürmte den Laden.

Ich bestellte mir ein typisch ungarisches Streetfood-Essen (das ist tatsächlich so, ist mir auch schon in Budapest aufgefallen): einen Gyros-Teller.

Viel zu viel…aber besser als gar nichts!

Bei dem Imbiss-Besitzer waren grade die Steuerprüfer zu Gast (die Küche wurde irgendwie auch inspiziert). Das passt ja gut, da wird das Personal sich sicher Mühe geben mit den Speisen…so direkt neben Staatsbeamten! Ob ich recht hab oder nicht, zeigt sich oder zeigt sich nicht (ich hab glücklicherweise einen Kuhmagen!)!

Morgen will ich einmal über den See nach Balatonfüred fahren. Ich hoffe das wird was (ansonsten bleib ich einfach nochmal in Siofók), denn seit heute gilt der Herbstplan bei den Fähren und da haben selbst die KIs gesagt, sie verstehen ihn nicht!

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