Nachdem meine Leftovers tatsächlich noch für ein paar Esslöffel Erdnussbutter pur, als Abendsnack gereicht haben, legte ich mich ins Bett und ich muss sagen, zu wissen, dass man fast alleine auf einem riesigen Campingplatz, gaaaaanz hinten im hintersten Eck ist und dass vor dem Platz der Totentanz vollführt wird und alles Essen aufgegessen ist (ohne Möglichkeit Nachschub zu besorgen)… das ist schon ein echt seltsames Gefühl!
Irgendwann gegen 1 Uhr, wachte ich auf und war mir nicht sicher, ob ich eine Hitzeattacke, Hunger, Magenumdrehen wegen der Erdnussbutter oder Vergiftungserscheinungen wegen des Leitungswassers hatte.
Eigentlich ging es mir gar nicht so schlecht, ich fühlte mich zwar etwas unwohl, aber das hing wohl eher mit einem meiner lebhaften Träume zusammen!?
Mein Zug ging zwar erst um 10:20 h, da ich aber beim Einchecken „damals“ Caution hinterlassen musste (und ich mir sicher war, die Hütte wird, vor Herausgabe des Geldes, erst noch inspiziert…und Ihr wisst ja, was das für ein Marsch von der Rezeption zu meinem Bungalow ist!), der Weg zum Bahnhof sich ja auch zooooog (und ich ganz langsam machen wollte…Kräfte einteilen und so (ausserdem wollte ich, die erste von drei Zugfahrten, nicht schon ein Bouquet des Schweizes hinter mir herziehen)) und ich die Hoffnung hegte, so klein mein Bahnhof auch war, einen Getränkeautomaten vorzufinden oder, dass sogar der Schnellimbiss, bei dem ich vorgestern war, schon Kaffee verkauft!
Wecker also auf 7 Uhr gestellt, Klopf-und Meditations-Ritual vollführt, angezogen, fertig gepackt (das strategische Packen hat tatsächlich was an der Reißverschluss-Zumach-Qualität positiviert!), durchgefegt und noch ein Glas abgekochtes Wasser getrunken (während des Trinkens ging mir durch den Kopf, dass lauwarmes Wasser ja die Darmflora anregen soll…Also das hab ich jetzt aber nicht mit eingeplant, dafür reicht die Zeit nun nicht!!?) und dann vollbepackt, wie eh und je, inklusive Mülltüte in der Hand, um kurz vor 8 (da machte die Rezeption auf), nach vorne zum Auschecken.
Der jungen Mann auf der anderen Seite des Tresens (der Gleiche, der mich „ermahnt“ hatte, meine Wäsche aber nicht zulange auf den fremden Wäscheleinen hängen zu lassen), gab mir das Geld, ließ mich unterschreiben, dass ich die Caution zurück bekomme habe und wünsche mir eine gute Reise. Das war’s…um 8:05 stand ich, ausgecheckt, vor dem Campingplatz!!
(Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich es finde, als so harmlos eingeschätzt zu werden, dass ohne Gegenkontrolle, mir einfach das Pfand wieder in die Hand gedrückt wurde!!? Wenn der wüsste, dass ich unter den Kaffeetassen kleine Kondensmilchdöschen versteckt habe, weil ich die nicht im Rucksack rumfliegen lassen wollte und der Müllbeutel schon zugeschnürrt war…)
Dann also los, as slow as possible, den langen Weg zum Bahnhof… und Zeit hatte ich ja nun zur Genüge!
Irgendwer scheint in der Nacht, die Straße verkürzt, irgendein Stück einfach entfernt und rausgeschnitten zu haben (keine Ahnung, was mit den Häusern dieses fehlenden Stücks Strassenabschnitts geworden ist), auf jeden Fall war ich in KÜRZESTER Zeit am Bahnhof und konnte…tatsächlich den Zug 2 Stunden (!!!) früher nehmen!
Zwei Stunden früher, hach, dann bin ich mal ein Schlau-Wau und fahre ganz entspannt bis nach Budapest rein, um mich da in Zug nach Szeged zu setzen.
Ist zwar ein kleiner Umweg, die vorgeschlagene Route berührte nur den Speckgürtel der Stadt, aber so spare ich einmal umsteigen, kann in Budapest am Bahnhof noch was essen und trinken (da der Zug nach Szeged stündlich geht) und steige am Startbahnhof ein, kann somit entspannt meinen Platz suchen.
Ich bin stolze Besitzerin vom Hungary Pass und kann mir somit solche Freiheiten erlauben. Nur, wenn man IC fährt braucht man noch eine Platzreservierung…die allerdings genauso schnell storniert, wie gebucht ist… ich habe heute 3 mal storniert… der aufmerksame Lesende kann sich nun denken, dass die Schlau-Wau-Strategie nicht ganz aufgegangen ist!
Budapest…ja, Budapest ist groß, die große Zentrale für viele Züge und hat, bekanntlich, zwei Seiten!
Als ich feststellte, dass es mein Bahngleis gar nicht gab und der Bahnhof zwar „Budapest“ hieß, aber noch einen Beinnahmen, der nicht „Déli“ war, hatte, merke ich, dass ich am verkehrten Bahnhof stand, der Zug nach Szeged nicht vom Hauptbahnhof abfuhr und ich zwei Straßenbahnen oder zwei Metros nehmen muss, um dahin zu kommen.
Jetzt erstmal frühstücken, dachte ich mir, kaufte mir ein Schnitzelbaguette mit Paprika („Schnitzel“ gehört übrigens zur traditionellen ungarischen Küche) und ein Wasser mit Sprudel und setze mich in den Wertebereich des Hauptbahnhofs.
Dann nochmal dort die Toilette besucht, mit Freuden festgestellt, dass phantomimisch geprägte Einlagen, lächeln und das Wort „Köszönöm“ zur Kontaktaufnahme und einen freundlichen Umgang oft schon reichen; dann zum Taxi und los zum Bahnhof auf der anderen Seite der Stadt! (Während einer, tiefen und gründigen, Meditation habe beschlossen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu verzichten).
Der Taxifahrer, um die 80 Jahre alt, mit vielen funkelnden Goldringen und er wusste schon, warum er sich besser nicht anschnallt. Seine Gewendigkeit und akrobatischen Bewegungsabläufe, um den Verkehr gut im Auge zu haben – er konnte grade so über das Lenkrad schauen- wäre angegurtet sicher eingeschränkt gewesen!
Und nun sitze ich, glücklich und zufrieden, im 1.Klasse Abteil des IC nach Szeged! (Es hätte auch die Klasse 1+ noch gegeben, aber das hielt ich doch für etwas übertrieben!)
Was ein krasses Zimmer!!! (Also, ich bin jetzt da und habe eingecheckt)
2 Betten, davon ein riesen Doppelbett, abgetrennte Küche, Hochtisch, genug Platz um Wiener Walzer mit Linksdrehung zu tanzen, Regenschauer-Dusche, Kaffee, Tee und Wasser auf’s Haus… what a Mist, dass ich hier nur 2 Tage bin!!
Apropos 2 Tage: Ich bin vom Bahnhof hergelaufen- Notice an mich selbst: Freitag nimmst Du ein Taxi!!
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