Szeged…ich hab dich unterschätzt!

Nachdem ich es gestern irgendwann geschafft habe, meine Gesichtsfarbe, die wegen Hitze und der Anstrengung des Kofferschiebens, eine ungesunde Farbe -etwas die, einer Tomate, die kurz vor ungenießbar ist- angenommen hatte, wieder auf „normal blass“ zu transformieren, wuchs meine Lust auf einen Aperol-Spritz am Ufer der Theiß (und nicht der Donau, wie zuvor fälschlicherweise von mir, Limnologie-Expertin, vermutet).

Also los, los, vorbei an Uni und Krankenhaus…ha, ich seh schon das Wasser! Und ich seh Ufer, Wiese, küssende Menschen, aber der Aperol, der ist nirgends zu sehen!!!

Etwas enttäuscht (soviel zu „ich schränke meine Erwartungshaltungen ein) und mit dem Gefühl, dass 2 Tage in diesem Kaff zu lange wären, ging ich gradewegs zu dem chinesischen Restaurant, welches ich mir vorher ausgesucht hatte. Den besser mal mit Plan losgehen, als auf Restaurant-Suche!

Sowenig Aperol wie es am Wasser gab, desto mehr Restaurants, Bars, Kneipen, Cafés lagen dann, als ich erstmal um zwei Kurven kam, vor mir… alter Schwede, damit hatte ich nicht gerechnet!!!

Ich steuerte trotzdem zu meinem Chinesen, war froh, dass man drinnen klimatisiert sitzen konnte (draußen war es mir bei immer noch 32 Grad einfach zu warm) und auch hier… erneutes sprachloses staunen (naja, ein bisschenhab ich schon gerede)!

Ich hatte mit Abstand das beste chinesische Essen ever! Dazu chinesisches Bier und einen Schnaps, ebenfalls aus China, der sich gefühlt, immer wieder vermehrte (es gab ein mini Glas und der Schnaps befand sich in einer kleinen Karaffe, die einfach nicht leer werden wollte) und Nachtisch… ich war voll!!

Ungarn und China führen eine enge strategische Beziehung, las ich im Nachhinein. Es gibt hier auch einige viele Studierende aus dem Land der Mitte und die Kellnerin, die mich so nett bediente, erzählte mir, dass die Mengenangaben auf dem Tablet (der Speisekarte) auf das traditionelle Teilen der Portionen untereinander, wenn chinesische Gäste da sind, zurück zuführen ist.

Wahrscheinlich hab ich für 3 Chinesen gegessen, so satt kam ich mir jedenfalls vor!

Dann zurück ins Hotel gerollt und, trotz vieler, lebhafter Träume, wieder herausragende geschlafen!

Am nächsten Morgen hatte ich, unglaublicher Weise, wieder Hunger! Also aufgestanden, fertig gemacht und los zur erneuten Nahrungsaufnahme…die letzte war ja auch schon ein paar Stunden her!

Abnehmen werde ich auf dieser Reise sicher nicht, auch wenn das meine Intention gewesen wäre!!!

Bei „The Smith’s Café“ zu 2 echt gute, aber starken Tassen Kaffee, ein Croque Mademoiselle gegessen…mit fett Käse überbackene…naja, wie gesagt, ich hatte ja auch nicht vor abzunehmen…

Neben mir saßen zwei, relativ gut aussehende Kerle um die Mitte 30, die sich im Frauen anglotzen und sie mit ihren Blicken auszuziehen in nichts nachstanden.

Als wir dann zirka zur gleichen Zeit unser Frühstück bekamen (ich etwas 5 Minuten früher) und sie Probleme mit Wespen hatten, ich dagegen überhaupt nicht, empfand ich das als ziemlich gerecht!

Ich machte mich danach auf zur „Neuen Synagoge“. Wunderschön und riesengroß ist sie und ich ging rein. Der Gottesdienst wurde vorbereitet, bzw.die gesangliche Einlage des Chasan (des Kantors) und das hat mich so erwischt und bewegt, dass mir die Tränen über die Wangen liefen.

Leider war ich nicht allzu lang in dem Gotteshaus, da mich plötzlich eine andere, dringende Körperfunktion überfraute. Der Kaffee und die Mademoiselle machten sich zwickend, zwackend und lautstark bemerkbar und ich hoffte, dass sie die 16 Minuten Geh-(in meinem Fall dann eher ein hurtiger Lauf)weg noch zusammen reißen können.

Während diesem, nicht enden wollenden Weg zurück, kramte ich schon mal die Schlüssel aus meinem Rucksack raus, um das Gefühl zu haben, wenigstens irgendwo Kontrolle drüber zu haben! (Das sind 2x „zu haben“ in einem Satz…aber denken viel mir in dieser Situation eher schwer)

Angekommen, Treppe hochgesprintet und dann…….nix!!!

Der Kaffee und Mademoiselle Croque haben sich einfach wohnlich in mir eingenistet und das Grummeln und Drücken war wohl eher Möbelrücken als Durchfallalarm…

Gut, dann die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt und ein Tagesticket für die Öffentlichen gekauft, da ich noch in den Botanischen Garten wollte und 60 Minuten Fußweg mit doch etwas lang erschienen!

Jetzt sitze ich hier im Botanischen Garten von Szeged und lasse mich, während ich schreibe, von allerlei Stechfiechern durchlöchern und aussaugen, aber ein bisschen Schwund ist ja immer!

Schön ist es hier! Kaum was los, ruhig und friedlich.

Ich mag Botanische Gärten. Sie zeigen mir, wie vielfältig und groß und wunderschön doch die Welt ist (wenn da einige Bewohner menschlicher Art nicht wären). Und mir fällt wieder ein, wie schwer es mir fiel, als ich beschloß auf Reisen zu gehen, mich für ein Land/Länder entscheiden zu müssen.

Aber ganz ehrlich: hier wo ich bin ist grade genau richtig!!! Und genau das fühle ich auch grade und bin erneut so dankbar für diese Momente, dieses Leben und, ganz besonders auch, für die Menschen, die mir diese Momente möglich gemacht haben und möglich machen 🩷🩷🩷!

Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, aber ich denke, das ist ein schöner Abschluss für heute!

Alles Liebe, Eure Anke (inklusive Kaffee und Mademoiselle Croque)

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