Mea culpa, ich muss mich revidieren!

Es sind nicht die Györer, die arrogant sind, es ist das „ausländische Besuchervolk“, sprich die Deutschen und Österreicher, die hier einfallen, als ob es ihr Gebiet wäre. Ich möchte mir gar nicht ausdenken, wie das in der Hauptsaison ist!

Heute morgen am Frühstückstisch erst einem Gespräch zugehört (zuhören müssen trifft es eher), indem ein deutsches Industriellen-Paar, die Ungarn als „sehr lehrnfähig“ bezeichnet hat (ich war kurz davor auf- und ihn anzuspringen) und in einer abwertenden  und „väterlich“ belächelten Art und Weise (die ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst war…was die Sache ja noch schlimmer macht!) über das Land und derer Bürger*innen gesprochen hat, dass mir fast das Frühstückswürstchen samt Spiegelei wieder hoch kam.

Die Antwort des österreichischen Nachbarttisches war, dass ja auch viele Österreicher hier ihr Geld mit- und einbringen.

Huiiiiiiiii….na, da versteh ich jegliche negative oder reservierte Haltung gegenüber deutschsprechender Feriengäste (Gäste!!!)

Ich habe gestern, auf jeden Fall noch viele sehr nette Menschen hier kennengelernt, bzw. gesprochen.

Zwei Museen hab ich noch besucht. Und als ich im Borsos-Museum von den zwei Ladies am Ticketschalter noch über andere Ausstellungen in Györ aufgeklärt wurde und auf die Frage, ob ich denn das Wochenende hier bliebe, sagte, dass ich Samstag Abend (also heute) in die Premiere von „La Traviata“ gehe, fing eine der Damen laut an, erst zu seufzen und dann loszuträllern.

Da beide nicht wussten, dass die Oper nun in Györ aufgeführt wird, waren sie sehr dankbar über diese Information und ich über das Gespräch…also: win- win!

Nach mehreren so netten Begegnungen, musste ich gegen 14:30 im Hotel eine kurze Pause einlegen!

„Schon wieder eine Pause“ oder „Ich erlebe ja gar nichts“ oder „Da muss doch noch mehr gehen!“… ab und an überkommen mich solche Gedanken. „Jetzt ist es schon 10:00 und ich bin immer noch im Hotel“ oder „Jetzt ist es erst 18:00 und ich hab schon gesessen und will gar nicht mehr raus“, auch mit diesen Gedanken katapultiere ich mich ab und zu, aus meinem „My trip, my rules“ oder meiner (neugewonnenen und erfüllenden) Reise-Leichtigkeit heraus.

Und einfach, um es für mich einmal „laut“ aufgeschrieben zu haben (ich denke, es ist klar, was ich damit meine): meine Reiseziele sind „anstrengend“, viele Städte, viele unterschiedliche „Welten“, die noch auf mich zukommen. Manchmal vermisse ich schon den Strand, an dem ich mal ein paar Tage „abhängen“ kann…

Nö, eigentlich doch nicht!! Der Strand und das Abhängen laufen mir nicht weg und haben ein anderes Mal ihren Platz in meinem Urlaub/Reisen.

So, jetzt hab ich das für mich nochmal klargestellt und kann mich demnächst, zu meinem diestägigen (ein seltsames Wort) Halbtagesziel aufmachen: Győri Vásárcsarnok… die Markthalle, zu der ich gleich die 25 Minuten hinlaufen werde!

                   xxx

Heute bin ich definitiv zu warm angezogen, Hitzewallung hin oder her!

Apropos Hitze: sie lässt mich, die letzten Nächte wieder in Frieden und hat sich momentan für die Tage entschieden. Damit komm ich klar! Falls sie irgendwann beschließen sollte, gar nicht mehr vorbei zu schauen…tja, ich denke, damit komm ich wohl noch klarer!!

Es waren kurze 25 Minuten Laufweg, über die Eisenbahn-Brücke hinein ins untouristische Györ.

In der Markthalle überkam mich zack, schwupps und hoppla ein Schwindel, der wohl auf die entzückende Mischung von Östrogen-Achterbahn und Solo-Travel-Overloud, zurück zuführen ist/war. „Ein Nervensystem in Aufruh“.

Hört sich fast nach einem Film-Titel an. Einen Film, den ich mir aber frühestens morgen anschauen möchte, denn das Zusammentreffen der oben genannten Komponenten, hat mich erstmal wieder ins Hotel zurück geführt, da ich definitiv eine Pause brauche!

(Vor allem, da heute Abend ja die Opern-Premiere ansteht und morgen mein Zug nach Budapest, zu meinem Flughafen-Airbnb, fährt.)

Nachdem ich eben, wie eine Schlosshündin, bei einem Instagram-Reel zu flennen begonnen habe, mein Hormonhaushalt sich also irgendwo zwischen Waschmaschine, Trockner und Mangel befindet (ich benutze diese Metaphern, da mir schmerzlich bewusst wird, dass ich unbedingt wieder waschen muss, die nächste Möglichkeit aber erst in Istanbul bestehen wird!), mache ich heute erstmal entspannt gar nichts mehr, ausser duschen, Kofferpacken, Filme streamen und Opernbesuch!

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