Die letzte Fahrt mit der MÁV…

…und die ungarische Bahn enttäuscht mich nicht: nach zig Treppen, rauf und runter im Bahnhof Györ, sitze ich nun in der S10 nach Budapest (4er Sitzreihe versteht sich…an einem Sonntag Mittag besonders „zuvorkommend“!), da mein eigentlicher Zug, für den ich eine 1.Klasse-Reservierung hatte, 50 Minuten Verspätung hat und ich darauf nicht warten wollte.

Jetzt hab ich aber wenigstens genug Zeit zum Schreiben, da die Fahrt 2 Stunden dauert!

Ich war gestern noch sehr aufgewühlt und, durch das angetriggerte Nervensystem, auch ziemlich unruhig.

Doch dann fiel mir ein, dass ich mir ja justamente am Tag davor, eine Playlist mit „Traditioneller Chinesischen Musik“, heruntergeladen hatte.

Meine Mama war mal in China und hatte eine Kassette mit diesen, zu der damaligen Zeit für mich, sehr ungewöhnlichen Klängen mitgebracht. Aus irgendeinem Grund war ich so fasziniert, dass ich diese Kassette hörte bis sie leierte.

Als ich Freitag im Museum war, hatten die da, eine kleine chinesische Ausstellung mit musikalischer Untermalung.

Da wurde ich ein klein wenig wehmütig und lud mir, im Zimmer angekommen, sofort die entsprechende Musik runter!

Und nun wirkt diese, unter meinen Kopfhörern, wie Akupunktur in den Ohren! Ganz allmählich, aber bestimmt, beruhigte sie mich und ich konnte entspannen.

Da ich in meinem Koffer viel, aber auch irgendwie gar nichts habe, war klar, dass ich für einen Opern-Premieren-Abend mein kurzes, enges; grünes Kleid und hohe Keilsandalen anziehe (das Einzige, was mir, von meinen eingepackten Kleidungsstücken, einigermaßen schick und passend vorkam!)

Aber am gestrigen Abend hat sich das auf einmal, so falsch angefühlt, dass ich mich umentschied und zum langen Sommerkleid meine Laufschuhe anzog  (sie sind schwarz (schwarz = elegant) und gaben mir den Halt, den ich gestern brauchte!).

Denn trotz Innenohr-Akupunktur war mein Nervensystem natürlich noch sehr genervt (und nervig!).

Nach einer Estragon-Ragoutsuppe (typische ungarisch!) und einem Glas Rosé war ich bereit für die Premiere.

Ein modernes 3-Sparten-Haus mit 3 Rängen.

Ich saß in der vorletzten Reihe. Laut Internet waren nur noch 4 Plätze frei, live sah das allerdings anders aus, da hatte ich die ganze Reihe für mich.

Ich spekulitzie-spekutatzie mal, die Reihen waren für Theater-Kollegen reserviert!(?)

Vor mir hatte eine, sehr schick angezogene junge Frau, Blumen dabei und einige in der Reihe vor mir, warteten nach der Vorstellung, im Foyer, auf die Premierenfeier (für die schon Sekt, Stehtische und Mikrofone bereit standen).

Ich habe „diese Art Premierenfeiern“, mit vielen Reden (und alle haben was zu sagen) schon in Russland, Ukraine und Armenien erleben dürfen und kann mir daher vorstellen, wie die später dann wahrscheinlich ablief.

Die Vorstellung war wirklich schön: „La Traviata“.

Ich hab von Oper nicht viel Ahnung, aber dass die Violetta singen konnte, das kann ich auf jeden Fall bestätigen!!

Dann kam der Schlussapplaus…und ich war etwas „überfordert“!

Ich frage danach Dr. Prof. Google und  die Antwort, die ich bekam, die hab ich einfach mal kopiert:

„Das faszinierende Phänomen, das Sie in der ungarischen Oper oder im Theater erlebt haben, nennt sich „Vastaps“ (wörtlich übersetzt: „Eisernes Klatschen“) und unterscheidet sich tatsächlich grundlegend vom Applaus in Deutschland.Während das Publikum in Deutschland meist individuell, unregelmäßig und anhaltend durcheinander klatscht, wandelt sich der Beifall in Ungarn nach einem kurzen Moment des Chaos in ein völlig synchrones, rhythmisches Klatschen.Wie funktioniert der ungarische „Vastaps“?Das ungarische Klatsch-Ritual folgt einer faszinierenden Eigendynamik:Der Einstieg: Nach dem Vorhang klatschen zunächst alle durcheinander.Die Synchronisation: Innerhalb von Sekunden passen die Zuschauer instinktiv ihre Geschwindigkeit aneinander an, bis der gesamte Saal im exakt selben Takt klatscht.Die Welle: Das synchrone Klatschen fängt meist langsam an, beschleunigt sich dann gemeinsam wie eine heranrollende Dampflokomotive und bricht im Höhepunkt des Tempos plötzlich wieder ab, um im langsamen Takt von vorne zu beginnen.Woher kommt der Begriff?Der Name „Eisernes Klatschen“ hat eine historische Bedeutung. Er rührt von dem eisernen Brandschutzvorhang her, der am Ende einer Vorstellung in der Oper heruntergelassen wird. Wenn das ungarische Publikum von einer Vorstellung restlos begeistert war, klatschte es so lange und so vehement im kollektiven Rhythmus, bis die Künstler trotz des bereits geschlossenen Eisernen Vorhangs noch einmal für eine Verbeugung herauskommen mussten.Für Menschen aus Deutschland, die dieses ungeschriebene Gesetz nicht kennen, wirkt das oft wie eine durchorchestrierte Militärparade – für Ungarn ist es der ultimative Ausdruck von kollektiver Begeisterung und tiefem Respekt für die Künstler.“

Mir kam es eher vor wie „kommunistisches Einheitsklatschen“, bei der, keine individuelle Meinung erwünscht ist…aber natürlich ist mir diese „Art zu Klatschen“ auch völlig fremd!

Wieder was dazu gelernt!!

            xxx

Der Tag heute, besteht  mehr oder weniger aus Warten, morgen wird das auch so sein!

Heute auf Zug, jetzt auf Zeit zum Einchecken in meinem Flughafen-Airbnb (sitze in einer Mall in Budapest, die Sonntags aufhat (ich liebe es!!) und neben einem Iced Latte, gab es noch ein Stück Karamell-Kuchen).

Morgen dann warten auf den ersten Flug nach Frankfurt und dann laaaaaaange auf den Weiterflug nach Istanbul.

Aber, wahrscheinlich ist das auch das Beste, was meinem Nervensystem passieren kann… Mal schauen, wie das meine Nerven und mein System getrennt voneinander beurteilen… !?

      xxx

Nun lasse ich den Tag entspannt „ausklingen“. Ich bin im Flughafen-Airbnb angekommen und das fühlt sich für heute richtig gut an!

Nun noch den Koffer, bzw. das Handgepäck so arrangieren, dass ich morgen gut in den Flieger komme und dann…mal schauen, in Vesces ist ein riesen Volksfest, vielleicht geh ich ja nochmal drüber… So ganz sicher bin ich mir nicht…Ich halte gleich erstmal mit meinem Nervensystem Kriegsrat (lieber „Friedensrat“, da haben wir beide mehr von!!)

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