Heute scheint die Sonne erneut und die werde ich nachher im Park genießen!
Aber bevor ich losgehe, erzähle ich noch vom Tag gestern fertig (nicht, dass da noch was groß Aufregendes passiert wäre, sondern eher der Vollständigkeit halber. … Apropos „ich erzähle fertig“, ist das überhaupt deutsch? Da ich sowenig mit Landsmenschen spreche und Netflix und Co. auf englisch schaue, zweifle ich so langsam…).
Also zu gestern in Üsküdar:
Ohne Orientierungshilfe (und damit meine ich GoogleMaps), hätte ich, wegen der verwundenen, verschlingelnden, nicht geometrisch aufgebauten (Mannheimer würde wahrscheinlich verzweifeln) Straßen, wohl immer noch nicht ins Hotel gefunden, aber, wie geschrieben, ich habe mir konkrete Hilfe gesucht.
Irgendwann konnte ich das Wasser wieder sehen, einen Rückweg erahnen und mich der Wegbeschreibungs-App entledigen (jedenfalls für diesen Moment).
Da mir dringends nach Essen war, suchte ich mir was Feines, nicht in erster Hafenblick-Reihe, sondern in der dritter und setzte mich.
Das Essen solle auf der asiatischen/anatolische Seite viel besser schmecken, sagten alle (auch beide Tourguides), da bin ich mal gespannt!
Ich war wohl doch „zu nah am Hafen“. Mein Essen war lecker, aber nicht leckererer als auf der europäischen Seite, die Preise waren… sagen wir mal „Touristen-Hafennähe“… und so richtig willkommen habe ich mich auch nicht gefühlt.
Aber da bin ich, im Laufe der Reise, schon langsam gestählter, es macht mir nicht mehr soviel aus (wobei ich, fairer Weise sagen muss: ich wurde in den letzten 5 Wochen seltens unfreundlich behandelt; richtig unfreundlich eigentlich nie, eher reserviert!), Hauptsache die ein oder andere Katze läuft herum und lässt sich auch mal streicheln!
Danach bin ich zur Fähre zurück und stellte fest, dass ja doch was los ist in Üsküdar. Sehr viel sogar! Ich hatte nur einfach die falsche richtige Richtung eingeschlagen.
Da meine Kreditkarte bei der Hin-sowie der Rückfahrt am Drehkreuz von der Fähre funktionierte, stellte ich mich an der Menge der Massen, die das Boot erstürmen wollten an und kam doch tatsächlich noch drauf! Ich hatte zwar einen Stehplatz, aber besser auf der Fähre stehen, als sich, beim Warten auf die nächste, die Beine in den Bauch zu stehen (so aufgeschrieben, hört sich das doch ziemlich eklig an…oder meine Fantasie ist einfach zu bildhaft…das kann auch sein!).
Die Fähre kam am anderen Ufer an, wie stiegen aus, ich schaute mich um, wunderte mich und stellte fest, dass wir nicht da angelegt hatten, wo ich vermutete.
Ich war nicht völlig lost (ich wusste, dass wir auf der „falschen“ Seite der Brücke waren), ich wusste nur nicht, wie ich jetzt zur Straßenbahn komme.
Aber dank dieses unverhofften Anlegekais kam ich in den Genuß, die Brücke zu Fuß zu überqueren und auf der anderen Seite (wo war nur die Straßenbahn hin???) durch völlig neue, kleine, untouristische Gassen, über Wochenmärkte (ebenfalls touristenlos), vielen Çay Ocağıs, vorbei an der alten byzantinische Seemauer, 48 Minuten Laufweg, das authentischen Istanbul zu erleben… es war eine tolle Strecke!!
Danach dampfen allerdings die Füße und da ich diese erstmal hochlegen musste, kehrte ich in mein Zimmer ein, tat dieses und als es sich ausgedampft hatte, stellte ich mich genüsslich unter die Dusche!
Abends wollte ich dann noch was essen gehen, zog mich an und machte mich auf die Gass. Dass ich ein Leuchtturm war, fiel mir sehr schnell auf, denn statt der gediegenen Farben, die hier allgemein im Viertel getragen werden, hatte ich meinen langen, knallorangenen Wollcardigan an.
O.k., da muss ich jetzt durch, ich leuchte wie ein 1,74 Meter grosses Glühwürmchen… Und so wurmte ich mich durch die Gassen und mein Mut, jetzt alleine in eines der Cafés/Restaurants reinzugehen schrumpfte ein wenig…
Jetzt einfach hier rein! Tatsächlich war ich schon fast wieder dabei umzudrehen, kaum hatte ich das Restaurant betreten, da ich feststellte, dass es eine Sisha-Bar (mit Essen) war.
No, no, no, dachte ich mir: Du bist 52 Jahre alt und jetzt 5 Wochen unterwegs, Du leuchtest wie eine (orangene) Sternschnuppe…Du drehst jetzt nicht um!!
Und, um dem ganzen noch eins draufgsetzten, habe ich, als mir ein Platz „zugewiesen“ wurde, gefragt, ob ich mich nicht an den anderen, mit Sofa setzen könnte. „Kein Problem“ sagten sie und so schob ich (falls ich bis dahin wegen meines Mantels noch nicht aufgefallen war, jetzt tat ich es) den Tisch laut und vernehmbar so weg, dass ich mich setzen konnte.
Ich bestellte, wurde etwas verwundert (aber nicht unfreundlich!) gefragt, ob das alles sei oder nicht vielleicht noch ein Salat dazu kommen soll (was ich verneinte, um mich dann später zu ärgern, weil es bestimmt dazu gehört hätte!?!) und saß dann da.
Ich hatte Lamm Şiş Kebap und beim Essen hatte ich mich dann wieder soweit akklimatisiert, dass es mir egal war, ob ich es „richtig“ esse.
Sehr lecker war es!
Der Chef kam und bat mich eine Rezension auf Google zu schreiben. Das tat ich dann auf seine Bitte und glücklicherweise war meine Intuition „Immer-eins-besser“ zu bewerten richtig, denn ich beobachte, später, wie er die Bewertungen lass und sich die Leute rauspickte, die eine, wahrscheinlich, nicht so gute hinterließen. Meine zeigte er allen und verneigte sich vor mir…Naja, dafür hat es sich ja schon gelohnt!
xxx
Also so ein Sonnentag ist es dann auch nicht, bzw. es ist ein „Anzieh-auszieh-anzieh-auszieh-anzieh…-Wetter“.
Ich bin mit der Straßenbahn diesmal in die andere Richtung gefahren, ins Viertel Merkezefendi, in den Topakı-Park.
Ein Park umgeben von mehrspurigen Straßen, Stadtein- und ausverkehr, aber er ist schön!
Mit vielen Teichen, Rasenanlagen, Bänken, ein bis zwei Moscheen, der alten historischen Stadtmauer und nicht zu vergessen: vielen Katzen!
Es tut gut hier, vor dem langen Flug und dem Tokio-Chaos, was mich dann am Mittwoch Morgen erwartet, nochmal durchzuatmen!
Ich bin hier, gefühlt, die einzige Touristin, vor allem alte Menschen und Studenten halten sich hier grade auf.
Da ich mich ja wieder mal nicht darum „gekümmert“ habe, wo ich eigentlich lande, war ich umso erstaunter, als ich diese riesige Stadtmauer entdeckte.
Was Google dazu zu sagen hat, kopiere ich mal kurz hier rein:
„Wenn Sie im Topkapı-Kulturpark (Topkapı Kültür Parkı) stehen, befinden Sie sich an einem der geschichtsträchtigsten Orte der Welt! Sie stehen genau dort, wo im Frühjahr 1453 das Lager von Sultan Mehmed II. (dem Eroberer) aufgeschlagen war und am 29. Mai 1453 die osmanischen Truppen die massiven byzantinischen Stadtmauern durchbrachen.“
Mit dieser historischen Auskunft im Hinterkopf, habe ich beschlossen, den Weg zurück ins Hotel nachher zu laufen, um zu schauen, was ich alles, an meinem letzten Tag in Istanbul, noch so erforschen kann!
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