Da stand ich dann also, ohne Schlaf, müffelnd wie ein Wiesel, mit schwerem Rucksack und Bauchtasche (Koffer durfte ich schon abgeben) vor dem Hotel und hatte noch 3 lange Stunden bis ich auf mein Zimmer durfte.
Hin- und hergerissen zwischen „ich muss mich hinsetzen“ und „laufen, laufen, auf keinen Fall stehen bleiben“, marschierte ich die Straße, einfach mal in eine Richtung, hoch.
Hab ich Hunger? Hab ich Durst? Was brauch ich jetzt? Und wer bin ich eigentlich? Das waren so die essenzielle Fragen, die mich beschäftigen.
Aber als ich einen Starbucks sah, wurden schlagartig ein paar der Fragen beantwortet: Ich muss mich setzen und zwar irgendwo, wo ich solange ich mag bleiben kann, ich möchte einen Matcha-Iced-Latte und irgendwas Kleines zum Snacken, brauche ich auch!
Der Schlafmangel, gepaart mit Jetlag kam in Schüben und Schwüngen und kaum hatte ich aufgegessen kam ein Schwung Richtung „gen unten“, mir wurde ganz schwummerig und ich glaubte, es nicht mehr bis 15:00 aushalten zu können!
Gut, Anfangsplan „Starbucks und dort sitzen bleiben“ musste etwas korrigiert werden in „austrinken und dann raus und in Bewegung kommen!“
Gesagt, getan, ich kam in Bewegung und bewegte mich in der Parallelstrasse wieder Richtung „zurück“ ( das war so ungefähr, was meine Orientierung anpeilte) und plötzlich war, zumindest kurzzeitig, der Schwächeanfall vergessen.
Wie immer hatte ich das Hotel „einfach so“, intuitiv im Internet gefunden. Ich habe mich weder darum gekümmert wo es steht, noch was in der Umgebung ist…
Umso geflashter war ich als ich auf einmal davor stand (ich habe wieder Google kopiert, da mir alles rauszuschreiben zu viel ist):
„Asakusa ist vor allem für den Sensō-ji, den ältesten und bedeutendsten buddhistischen Tempel Tokios, sowie sein traditionelles Flair bekannt.
Das historische Stadtviertel zeichnet sich durch folgende Besonderheiten aus:
Sensō-ji-Tempel & Kaminarimon: Das Wahrzeichen des Viertels ist das berühmte „Donnertor“ (Kaminarimon) mit seiner riesigen roten Laterne, das den Eingang zum Tempelkomplex markiert.
Nakamise-dori: Eine der ältesten Einkaufsstraßen Japans führt direkt zum Tempel und bietet traditionelle Snacks, Süßigkeiten und Souvenirs.
Edo-Atmosphäre: Asakusa vermittelt als ehemaliges Unterhaltungsviertel aus der Edo-Zeit ein Gefühl des alten Tokios mit Rikscha-Fahrten und Handwerkskunst.„
Halb schlafwandelnd ging ich durch das Tor, die Einkaufsstraßen Richtung Tempel. Und so schaffe ich dann auch die letzte Zeit zu überbrücken, bis ich endlich einchecken konnte!
Der Ankommensprozeß auf dem Zimmer war auch kürzer als gedacht, da es nämlich keinen Schrank gibt, muss ich ja auch nichts auspacken!
Nach Augenlidpflege, Planung der nächsten Woche, duschen und Haare waschen, entschied ich mich gegen viertel vor sechs nochmal rauszugehen.
Es war schon dunkel, es zog mich nochmal gen Tempel, doch habe ich meine Überlegung, dort irgenwo was essen zu gehen, auf Grund von „Schwäche, Kopf voll Blubberbläschen und leichtem Schielen“, kurz gesagt „Müdigkeit und Jetlag„, in „Sandwich, Knabberkram und Dosenbier“ aus dem „Seven Eleven““ umgewandelt… und ich glaube, das war auch gut so!
Auf einem gemütlichen Bett, mit wunderbarem Kopfkissen (das erste richtige gute auf meiner Reise!) dann entspannte 10 Stunden geschlafen!
Wecker war auf 7:15 gestellt, da ich heute von „Harry“ erwartet wurde!
Ich hatte ein Ticket für „Warner Bros. Studio Tour Tokyo – The Making of Harry Potter“. Ein Freizeitpark ohne Fahrgeschäfte, aber mit allem an „Harry Potter“-Kulissen, die man sich vorstellen kann!
Das ich wohl keine „klassische“ Platzangst, also Klaustrophobie, habe, sondern es bei mir, vor allem mit Stress, Nervensystem und Triggermomenten zusammen hängt, konnte ich in der U-Bahn feststellen.
Nach einem „schnellen“ Grüntee am Morgen, spazierte ich zur besagten und stellte fest „Upps, es scheint ja noch Rushhour zu sein.“ Die Türen der vollen (!!) U-Bahnen gingen auf, es stiegen 2 Leute aus der verstopften Bahn aus, 3 schoben sich rein und die Türen schlossen sich körpernah. Ich glaube, Sardinen in der Dose können im Vergleich dazu Polka tanzen!!
Ich musste drei der Züge abwarten, bis ich mich reinquetschen konnte.
Noch dazu kam, dass der grüne Tee sich bemerkbar machte, allerdings nicht so, dass ich aufs Klo musste, sondern mir wurde richtig übel… und die Vorstellung in einer so vollgestopften Bahn, in der ich die Beine hätte anheben können und ich wäre genauso stehen geblieben, mal kurz mich auf den Köpfen der anderen zu übergeben, war semi inspirierend!
Google sagte mir dann:
„Wenn dir morgens bei Jetlag schlecht wird, weil du nur grünen Tee auf nüchternen Magen trinkst, liegt das an einer unglücklichen Kombination aus empfindlichen pflanzlichen Gerbstoffen und einem ohnehin gestörten Magen-Darm-Trakt.„
Jo, wieder was dazu gelernt!
Da ich es aber nicht einsah, auszusteigen und mir Wasser und was zum Essen zu besorgen, hielt ich das aus und durch und nach einer Stunde U-Bahn-Fahrten, am Ziel angekommen, war die Übelkeit auch überstanden!
Gegenüber von mir saß (ja, irgendwann konnte ich mich, in der zweiten U-Bahn, auch hinsetzen!) eine junge Frau, die ebenfalls mit mir ausstieg.
Wir hatten wohl beide das gleiche GoogleMaps-Problem, wir drehten uns im Kreis und schauten verwirrt.
Daraufhin sprach ich sie an. Minal aus Indien wurde meine Begleitung bei der Tour.
Irgendwann mussten wir feststellen, auch wenn bestimmt 20 Jahre (vielleicht etwas weniger) zwischen uns lagen, verschiedene Länder und Kontinente, wir beide waren wie „Bonnie and Clyde“ oder „Ben und Jerry“, es hat einfach gepasst!
Vielleicht erzähl ich morgen nochmal etwas mehr davon, aber jetzt… „Evanesco„!!
Kommentar verfassen