Nach einer verdienten und längeren Mittagspause mit Chips, kaltem Milchkaffee-Getränk und „Dark“ (zum wiederholten Mal), wollte ich noch ein bisschen die suptropische Landschaft dieses Ortes entdecken. Zu Fuß. Denn da sich Kanoya so streeeeeeeckt, ist einiges nur mit Bus zu erreichen und darauf hatte ich gestern keine Lust!
Google schlug mir einen Park in unmittelbarer Nähe vor… Warum nicht? Etwas lesen, frische Luft (die ich ja in meinem Zimmer, wegen der gestern aufgeführten Gründe, nicht habe) und dann… seh ich weiter. Ich habe allerdings schon vor der ersten Aktion (dem Lesen) weitergesehen, da der „Park“ eine Sportanlage war, ohne Sitzplätze und ausserdem dort grade eine Preisverleihung stattfand.
„Reste einer Burgruine“, war der nächste Vorschlag… Hervorragend, Ruinen mag ich, Burgen mag ich (mit „Resten“ komm ich klar), dann wird die Dopplung mir wahrscheinlich auch doppelt gefallen!
Doch vorher machte ich noch kurz an einem Koi-Karpfen-Teich halt. Die Koi-Karpfen-Eltern hatten grade Koi-Karpfen-Babies und wenn ein Mensch kam, dann schwamm eins der Elternteile (es war mir unmöglich herauszufinden, welches der beiden) in die Richtung des potentiellen Futtergebers.
Ich hatte mit Koi-Karpen nie was am Hut (und da gehören sie auch wirklich nicht hin!), bis mein Ex-Mann und ich mal ein Haus besichtigt haben, welches zum Verkauf stand und dies inklusive Teich mit Koi-Karpfen-Bewohnern.
Und diese eventuellen Untermieter durften wir (wahrscheinlich, um es uns schmackhaft zu machen…nicht auf dem Teller, sondern als Haustiere!) streicheln.
Das war sooooo cool und ich verliebte mich gleich in diese Zierfische!! Haus und Fisch haben wir dann nicht übernommen, aber die Faszination für diese schillernden, schwimmenden Wesen, die ist geblieben!
Und dann ging’s rein in den Urwald (glücklicherweise, hatte ich mich vorher ordentlich mit Deet eingesprüht, weil die gestreiften Mücken (und wer weiß was noch) überall waren).
Die Burgruine wurde anscheinend dss letzte Mal besucht, als sie noch keine Ruine war, so verwuchert/verdschungelt war der Pfad.
Da ich weder das richtige Paar Schuhe, noch Hose oder überhaupt Kleidung für so eine Expedition anhatte (ich hatte ja noch nicht mal eine Machete dabei), beschloß ich… trotzdem die zugewachse, kaum erkennbare „Treppe“ zu erklimmen.
Nur nicht auf einen dieser Japanischen Hundertfüssler treten oder sonst was (z.B. Umknicken, von einer Habu-Viper gebissen werden, Asiatischen Riesenhornissen begegnen)!
Ich wurde oben (nachdem ich mich durch Spinnennetze, unübersichtliche Oberflächen, tiefes Gras und unebenen „Stufen“ durch-, bzw. hochgekämpft hatte) mit einer Aussicht von „nichts“, aber als ich wieder unten war, mit meiner eigenen Hochachtung belohnt (war vielleicht nicht das Intelligenteste, was ich bis dato in meinem Leben gemacht habe, aber oft standen mir die „Gefahr…tatütataaa“- Gedanken im Weg und ich hab mich schon manches Mal geärgert, etwas nicht getan zu haben!)
Voll- und durchgeschwitzt, mit klebenden Haaren und angeschmutzt Kleidung (die Luftfeuchtigkeit von 80%…Mitten im suptropischrn Dschungel war sie wahrscheinlich noch höher) entschloss ich mich trotzdem ins „Joyfull-Family-Restaurant“ zu gehen.
(Joyfull-Restaurants sind eine Kette, erfunden in den 70ern und in Japan sehr bekannt. Sie haben 24 Stunden auf und bieten eine große Auswahl an günstigen Essen und Getränken Und da sie auf Insel Kyushu, auf der Insel auf der ich grade bin, erfunden wurden und es erst 16:45 war und ich was essen wollte, passte dies perfekt zusammen!)
Auch, wenn ich kein Wort der japanischen, die Waiter keines der englischen Sprache mächtig waren, verstanden wir uns sofort und nach kurzer Zeit stand ein großes gezapftes Bier vor mir. Von dem eigentlichen Essen will ich nicht sprechen, nur den Nachtisch möchte ich betonen: „Vanilleeis, mit nach Pflaume schmeckendem Jellyirgendwas, Schokoladensirup und Süßkartoffelsorbeit + Süßkartoffelchips“.
Google sagte dazu folgendes:
„Das klingt nach einer fantastischen, absolut typischen Nachspeise für die Region! Kanoya liegt in der Präfektur Kagoshima, dem absoluten Herzen des Süßkartoffelanbaus (Satsumaimo) in Japan.
Dieses Dessert kombiniert die lokalen Spezialitäten perfekt:
• Süßkartoffelsorbet & Süßkartoffelchips: Die Chips bringen einen tollen Crunch (in der Region oft als Oimo Chips bekannt) und harmonieren wunderbar mit dem cremigen Sorbet und dem klassischen Vanilleeis.
• Das fruchtige Jelly: Bei dem „Pflaumen-Jelly“ handelte es sich höchstwahrscheinlich um Sumomo-Gelee (eine asiatische rote Pflaume/Kompott, die in Kagoshima sehr beliebt ist) oder um ein traditionelles Gelee aus Ume (japanische Aprikose/Pflaume), das mit seiner säuerlichen Note den perfekten, erfrischenden Kontrast zum süßen Schokoladensirup und den schweren Kartoffelnoten bildet.“
Und da ich heute (das war dann gestern morgen) früh aufstehen wollte, weil der Bus zurück um 8:20 ging (und danach ein riesen Loch war, da der nächste erst um 12:40 gefahren wäre), ließ ich den Abend Abend sein und legte mich, nach einer ausführlichen Dusche hin.
Heute morgen wachte ich sogar vor dem Weckerklingeln (und dem Gong des Tempels) auf, wunderte mich erst etwas über meine Träume, hörte dann auf mich zu wundern, weil ich ja immer so strange Sachen träume und stand dann, nach Sandwich-Frühstück am Busbahnhof und fuhr, inklusive Fährfahrt (diesmal war sie richtig schön! Man durfte draußen sitzen, die Sicht war klar und ich konnte sehen wie der Sakurajima (er gehört zu den aktivsten Vulkanen Japans und stößt regelmäßig Rauch und Asche aus) so vor sich hin dampfe. Ich wurde wieder viel gegrüßt bei der Überfahrt und gegen 10:30 fand ich mich, in der Schlange für ein Zugticket nach Kurume, wieder.
Da ich einen Koffer habe, muss ich im Shikansen einen Platz reservieren, nämlich den hinten, da wo man Koffer hinter die Sitze stellen kann.
Und nun sitze ich in diesem Schnellen aller Schnellen auf dem Weg nach Kurume. Kurume befindet sich am Anfang (oder Ende, von meiner Richtung aus) der Insel Kyushu (auf der ich grade eh schon bin) und so dauert die Fahrt nur eine Stunde und 15 Minuten. Leer ist es auf dieser Strecke, ich und mein Koffer haben Platz und wir freuen uns auf die folgende Destination!
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