„Boat on a river“

Heute geht’s nach Yanagawa, zum Bötchen fahren in den historischen Burgräben und Kanälen des Chikugo (also für „Stadt-Land-Fluß“ hab ich jetzt schon einige neue Gewässer parat!).

Das ist heute, aber gestern und die „Entdeckungen“, die ich gemacht habe, will ich natürlich nicht verschweigen.

Also, um nicht falsch verstanden zu werden, das waren natürlich keine Entdeckungen à la James Cook oder Marco Polo… aber für mich waren es doch Offenbarungen, die ich Kurume nicht zugetraut hätte!

Zuerst machte ich mich, nach Apotheke und Ticketkauf auf den Weg zur Burgruine und angrenzendem Shrine.

Der Shrine war quasi in der alten Burg, wirklich schön (und nicht zu vergleichen mit der, vom Urwald umwucherten Burgmauer in Kanoya (wobei, viel mehr als Mauern auch nicht vorzufinden waren, aber der ganze Umriss war noch vorhanden)).

Da ich Hunger hatte…so ganz ungefrühstückt… dachte ich mir, auf dem Weg zum nächsten Tempel, werd ich erstmal schön zu Mittag essen.

Wie auch am Tage zuvor, schaute ich wieder nicht genau, wo ich eigentlich reinging.

Und als ich saß und merkte, dass es ein japanischer Italiener war, wurde mir auch schon die Karte gereicht und ich blieb einfach sitzen!

Der Italiener schien sehr beliebt zu sein, kaum war ein Tisch leer, wurde dieser auch schon wieder besetzt.

Um ein wenig zu spoilern: für das Essen „hat es sich nicht gelohnt“, die Erfahrung war es allerdings wert und ich hab für das ganze Mittagsmenü nur hoch- und umgerechnet 9 Euro bezahlt!!

Ich ließ mir die Mittagskarte von Google übersetzen, die Karte war allerdings auch nur „grob“ („Menü 1 mit Nudeln, Menü 2 mit Nudeln, Menü 4 mit Pizza…). Ich entschied mich für Menü 1, was da auch immer kommen mag und einen kalten Oolong-Tee, der ebenfalls im Menüpreis inbegriffen war.

Los ging es mit einer Pilz-Muschel-Suppe, dann kam ein Teller mit etwas Salat, Frischkäse (oder Mascarpone-Creme mit Kräutern), dazu eine Scheibe Mortadella unter der sich noch Anasas versteckte. Da Anasas zu der Liga „Rosinen, Birnen, Rote Bete“ gehört, die für meine Gaumen wie für mein Brechzentrum auf der absoluten „No-go“-Liste, ganz oben platziert ist, ließ ich die Anasas liegen.

Das Hauptgericht waren dann Spaghetti mit einer Gemüse-Tomaten-eventuell-Hackfleisch-Soße (die haben echt gut geschmeckt und Gemüse ist ja auch das, was mein Körper grade braucht!)

Ich hab mal Google gefragt, der meinte, dies:

„Das klingt nach einem sehr spannenden kulinarischen Erlebnis! Japaner lieben europäische Küche und interpretieren sie in sogenannten Yōshoku- oder Italo-Japanischen Fusion-Restaurants oft auf ganz eigene Weise“

Also doch was „typisch japanisches“ verputzt!

Frisch gestärkt ging es dann in den Regen raus, der allerdings bald aufhörte.

Und dann kam ich tatsächlich aus dem Staunen nicht raus: nach ca. 15 Minuten zu Fuß kam ich an den Bairinji-Tempel. Ein riiiiiiiiesssiges Tempelgelände, ein Ausbildungs-und Trainingszenter für Zen-Mönche und dazu ein Garten. Ich glaube, ich brauchte fast 30 Minuten um alles zu sehen. Rein bin ich (natürlich) nicht (als ich vor dem Hauptgebäude stand und von drinnen Stimmen gehört habe, bin ich ganz schnell weg), aber allein das Aussengelände… und dann noch der Garten…wunderschön!

Als ich mich endlich davon losreißen konnte und mich auf dem Weg zum nächsten Schrein in Bewegung setzte, merke ich bald, der Suitengu-Schrein ist nicht der nächste, nur nächste größere Schrein, denn auf dem ganzen Weg (durch Wohnstrassen und Gässchen durch), lag einer nach dem anderen.

Ziemlich beeindruckend bin ich dann zurück zum Hotel (nicht ohne vorher noch mal kurz bei Lawson Station Zwischenstopp zu machen) und wollte dann in die japanischen Termalbäder, sprich den Onsen, im Hotel. Da in Japan in Onsen Tattoo-Verbot ist (ich kopiere dazu noch mal nen Link raus, für diejenigen, die es interessiert), meines allerdings ziemlich klein ist und mit sogenannten Tattoo Kakushi Shiiru (zum Abkleben dieser) verdeckt werden kann, wollte ich dieses tun, um im Anschluss in den Onsen zu entspannen.

Google und ne andere schlaue KI sagten mir, dass diese Sticker in den „Hotels mit Onsen“ zu bekommen wären.

Doch leider hatten auch diesmal, die schlauen KIs nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen…denn die Dame am Schalter schaute mich verwirrt an und schüttelte den Kopf (ich zeigte ihr natürlich den Begriff in einem Satz eingebettet, auf japanisch).

Da ich keine Lust mehr hatte, mich daraufhin auf die Suche nach einem großen Drugstore zu machen, verlegte ich mein Spa einfach auf mein Zimmer und legte mich genüsslich in meine Badewanne (da gibt es wenigstens auch nicht so viele Regeln und Rituale, die bei einem Onsen-Besuch angestanden wären).

Hier nochmal der Link zu Tattoos und Onsen:

„In Japan sind Tattoos in vielen Onsen (heißen Quellen) verboten, weil sie historisch und kulturell stark mit der Yakuza – der japanischen Mafia – assoziiert werden.
Traditionell nutzen Mitglieder der organisierten Kriminalität großflächige Tätowierungen als Erkennungsmerkmal. Um Kriminelle aus den Bädern fernzuhalten und den anderen Gästen ein Gefühl von Sicherheit und ungestörter Entspannung zu garantieren, haben die Betreiber pauschale Hausverbote für Tätowierte eingeführt.
Obwohl es kein gesetzliches Verbot gibt und moderne Tattoos meist reine Mode sind, halten viele Onsen-Betreiber aus Tradition und Rücksicht auf ältere einheimische Badegäste strikt an dieser Regel fest – oft ohne Unterschied zwischen Einheimischen und ausländischen Touristen zu machen.„

Bei mir im Hotel wurde, tatsächlich auf das strikte Verbot, hingewiesen!

Nach dem Zimmer-Oasen-Nachmittag war ich dann so entspannt, dass ich einfach im Nachthemd weitergechillt habe und das Hotel auch nicht mehr verließ.

Den Morgen heute, begann ich mit süßen Gebäck mit Roter-Bohnen-Paste (so gut!!) und einem Kaffee, schnürte mir dann ein Tuch um den Kopf (denn Hitze, Sonne, Bootfahren, Wasser und ungeschützten Kopf = doof!) und lief los Richtung kleiner Bahnhof (ja, es gibt in Kurume zwei Bahnhöfe, die Stadt hat aber auch 296.827 Einwohner).

Ich konnte meine Suica-Karte, die ich mir in Tokio besorgt und nochmal aufgeladen hatte, benutzen und schon saß ich im Zug nach Yanagawa. (Allerdings im „falschen“, da mir Gemini sagte, ich solle die grüne Linie nehmen, da die rote die langsame sei, die 20 Minuten länger brauche… und es aber tatsächlich umgekehrt war! Ich saß also nicht falsch, falsch, war allerdings in der Bummelbahn.)

Dann wurde ich nochmal verkehrt geschickt, diesmal von GoogleMaps. Aber, ich habe ja Augen im Kopf und nach dem „Extra-Spaziergang“, den ich dank falscher Navigation machen durfte, sah ich die Schlange an Menschen, die an einem Uferstück in Reihe standen, um nach und nach, auf ein größeres Ruderboot zu steigen.

Ich kaufte ein Ticket und kurze Zeit später (die Boote fuhren Schlag auf Schlag), saß auch ich auf einem solchen.

Man/frau saß sich gegenüber und unser Bootsmann stand, wie ein Gondoliere (in diesem Fall ein Sendō), hinten und manövrierte uns durch die Kanäle.

Ein reines Touristen-Boot aus Taiwanern, Süd-Koreanern, Singapurer (heißt das so?), einem Holländer und mir.

Und wie die Reise weiterging…das erzähle ich morgen!

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