944 km, 2 Inseln und 9 Präfekuren weiter…

Heute ist Zugtag!

Da für diese Strecke, der Flug zu teuer war, sitze ich, für sechs und noch ein bißchen Stunden, in 5 verschiedenen Bahnen, um von Kurume nach Takaoka zu kommen.

Ich ziehe nun auch, von der suptropischen Zone in das ostseitenklimatische, feuchte subtropische Klima. Das heißt für mich (und alle anderen dort): jetzt Mitte Oktober wird es langsam kälter (bis es im Winter dann heftig schneit, aber das bekomme ich (leider…oder auch nicht richtig „leider“, weil dafür hab ich gar keine Klamotten dabei…wobei mein Koffer ja so voll ist…) nicht mehr mit.).

Das suptropisch, suptropische Wetter durfte ich gestern noch einmal so richtig auskosten, bei 29 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit in Yanagawa auf dem Boot. War das heiß!!! Und feucht!

Unser Sendō war gut drauf, sang ein Lied nach dem anderen und fuhr uns, ohne Anecken und Verluste durch die historischen Burgkanäle- und Gräben.

Es war keine Rundfahrt, ein Shuttlebus wartete an der Ausstiegsstelle (im historischen Viertel, rund um die  Ohana-Villa) und fuhr, alle 30 Minuten wieder Richtung Yanagawa-Bootskanal.

Ich wollte noch ein wenig in dem angeruderten Viertel bleiben und streifte durch die Straßen und Nebenstraßen….vor allem auch immer auf der Suche nach Schatten.

Da ich einen hochroten Kopf hatte (er fühlte sich nicht nur so an, später im Spiegel sah ich auch, dass die Farbe in meinem Gesicht eher dem Hintern eines Pavians glich, als der zarten Rötung eines Flamingos, der nicht soviele Krebse gegessen hat) und sehr durstig an meiner Wasserflasche, an einem schattigen Plätzchen am Kanal sitzend, nuckelte, hielt ein besorgter älterer Mann auf einem Fahrrad an und fragte, ob alles o.k. sei. Das denke ich jedenfalls, denn die ganze Kommunikation (ob ich alleine reise, woher ich komme, irgendetwas über die Sonne… und eventuell noch über den Sinn des Lebens und wohin wir gehen, wenn wir gestorben sind) war auf japanisch, bzw. deutsch. Er war sehr beeindruckt, dass ich alleine reise und ich ein wenig erleichtert, als er wieder auf sein Fahrrad stieg und weiterfuhr, denn das Gespräch wurde (er hörte einfach nicht auf zu reden) langsam etwas anstrengend.

Er war nicht der einzige ältere Herr, der, bei diesem Tagesausflug, mich überschwänglich begrüßte und freudig mir zuwinkte.

Nach soviel zwischenmenschlichen Kontaktaufnahme war ich dann bereit für den Rückweg.

Da ich gerne laufe und Google mir den Weg als „sehr idyllischen, an den Kanälen entlang und touristenfrei“ beschrieb, ließ ich den Shuttlebus Shuttlebus sein und machte mich freudig auf den Weg.

Touristenfrei, ja, das war der Weg…. ich würde sogar weitergehen und sagen „Menschenfrei“, da bei der Hitze und entlang den Industrie-und Hauptstraßen, meiner Route, niemand laufen wollte… Leise vor mich hinfluchend, dem Hitzeschock nahe, schleppte ich mich durch die Straßen… 42 Minuten lang…laange Minuten!

Am Bahnhof angekommen, war ich mir nicht sicher, welchen Zug (egal ob Bummel- oder Schnellzug) ich nehmen muss, bzw. die Richtung war mir schon semi-klar, nur nicht, ob die Züge dann auch in Kurume halten.

Ich wagte mich also, diesmal, ChatGPD zu fragen.

Tja, der liebe Chatty und ich , wie haben allerdings so unsere Historie! Nachdem er mich in Istanbul ein paar Mal im Stich ließ und mich mit Faschinformationen fütterte, ich ihm das auch sagte und ihn ebenfalls mitteilte, wenn ich mich bei anderen KIs schon erkundigt habe und nur nochmal ne Rückbestätigung möchte….

der liebe Chatty gab mir zur Antwort (auch nachdem ich einFoto von der Anzeigetsfel verschickte):

„Ich will dich nicht falsch schicken oder falsche Informationen weitergeben. Frag am besten jemanden am Bahnsteig, ich kann dir gerne den japanischen Satz dazu aufschreiben…“

Unglaublich, was ne Mimose!

Na gut, dann frag ich halt den jungen Mann hinter mir. Er konnte zwar kein Englisch, aber „Kurume“ ( in verschiedenen Sprach-Variationen von mir) verstand er (dann irgendwann) und nickte „Hei“! Super, soviel versteh ich noch und sein Nicken unterstrich ja zudem meine Übersetzungskünste.

Allerdings wies er mich (dreimal?) ( das erste Mal auf die richtige Anstellrichtung, das zweite auf die Füße am Boden und zu guter Letzt, dass ich vorher ihm nun reingehen solle) zurecht. Normalerweise achte ich (vor allem in Japan) sehr darauf, alles richtig zu machen, hier war mir, der richtige Zug in die richtige Richtung, zum richtigen Kurume aber wichtiger, so dass ich etwas nachlässiger war!

Noch so ein Mimöschen! (Ich hatte mich weder vorgedrängelt, noch stand ich jemanden auf den Füßen!)

Aber… ich saß schlussendlich im richtigen Zug und in nur 15 Minuten war ich in Kurume.

Für den Tag hatte ich genug Sonne und menschlichen Kontakt und da, dass Udon-Schweinefleisch (-und Knoblauch, wie sich später rausstellte)-Gericht so mächtig war, musste ich auch nicht mehr vor die Tür (ausser für ein Eis und für Wasser, was ich später noch kaufte).

Und heute steht (ich bin grade mitten dabei) die große Fahrt an!

Ich habe mich gegen die „typischen“ Städte, Hiroshima, Osaka, Kyoto (um zu berechnen, ob sich einer der Zug-Pässe lohnt, die in den letzten Jahren echt krass teuer geworden sind, habe ich meine Route jetzt schon festgelegt,…und nein, es lohnt sich nicht) und für kleinere „untouristische“ Ziele entschieden.

Der Shinkansen hat grade in Hiroshima gehalten (er fährt über Osaka nach Tokio) und ist voll mit Langnasen… aber „I’m the only gay (in diesem Fall: Langnase) in the village!“ (für all die, die „Little Britain“ kennen)… oder will es zumindest sein 🤪!

Zugfahren macht in Japan richtig Spaß! Auch ein 3 Minuten Umstieg ist kein Problem (zumindest, wenn der nächste Zug am gegenüber liegendem Bahnsteig liegt)!

Nur, dass die Ohren ständig, bei dem Tempo und den vielen Tunneln, zugegehen, ist etwas anstrengend und schmerzt auch auf die Dauer… aber das ist nun wirklich „Jammern auf höchstem Niveau“!

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