„I’m marveling in the Rain…“

Kennt Ihr diese Wundertüten? Oder die Kofferversteigerung am Flughafen (gibt es sowas eigentlich noch)? Oder einfach das gute, alte Ü-Ei! Man weiß nie was drin ist… und meistens ist es nicht ganz so prall!

Takaoka ist auch so ne Wundertüte!Allerdings eine von der Art,die einen wieder eine neue kaufen lässt… weil der Inhalt einfach toll ist!

Nachdem ich doch mit relativ mittelmäßig bis schlechter Laune den Tag gestartet hatte, ging es, sobald ich draußen war, bergauf!

Bahntickets für Donnerstag gekauft (der junge Kerl am Ticketschalter war etwas überfordert und angenervt von meinem komplexeren Verbindungswusch… und dann auch noch Platzreservierungen in den Shinkansen wegen des Koffers!! Am Schluß machte ich ihm ein Kompliment wegen seines Englischs (er meinte vorher, er könne keins)… ich glaube, damit hab ich ihn befriedet!), dann los Richtung … egal, irgendwas.

Montag (und auch Dienstag, wie ich heute festgestellt habe!) ist Ruhetag in kleinen japanischen Städten und es hätte nur noch gefehlt, dass Stohballen durch die Straßen wehen! Aber tatsächlich hatte diese Ruhe was!

Nach ein paar Straßen hin- und her, stand ich vor einer der Attraktion von Takaoka, dem „Takaoka Great Buddha“.

Eine große, stattliche Bronzefigur, in deren Sockel sich noch mehrere kleinere Buddhastatuen befinden. Wirklich toll!

Ich wollte danach zum „Burg-Park“. Der Weg wurde allerdings dann doch etwas länger, weil ich ständig von Schreinen oder anderen Dingen abgelenkt wurde.

Der Park…der Park…sage ma, wie schön ist denn bitte der Park??

Verschlungene Wege, Schreine hier und da, Brücken über Wasser, Treppen die irgendwohin führen, Bronzestatuen überall… Staunend ging ich durch die Parkanlagen, den Mund immer wieder bewusst schließend (wegen der Tigermücken und allem was, wegen des aufkommenden Regens so rumschwirrt) und irgendwann musste ich GoogleMaps zu Rate ziehen, weil ich keine Ahnung mehr hatte, wo in diesem Gelände der Ausgang war, den ich nehmen musste.

So langsam fing es an zu tröpfeln, ich fand den gewünschten Weg raus aus dem Park und machte mich, mit einem Zwischenstopp bei Seven Eleven (u.a. hab ich mir mal vorsichtshalber einen Regenschirm gekauft), auf den Weg zum Hotel.

Eigentlich hatte ich vor, abends nochmal in die Weinbar um die Ecke zu gehen, doch kurz vor 17:00 Uhr fing es so heftig an zu regen (und das ohne Unterlass, die ganze Nacht durch), dass ich Badewanne und „Dark, Staffel 3“ (die ich nie richtig kapiert habe… vielleicht ja dieses Mal!?!) vor zog!

Nach einer „7-teiligen“ Nacht (ständig war ich wach!), dem Blick aus dem Fenster und guter Laune in Herz und Hirn, machte ich mich, mit Regenschirm bepackt, über nasse Straßen auf den Weg zum frühstücken.

Alles nur auf Japanisch (ohne GoogleMaps hätte ich das Café gar nicht gefunden, da nur japanische Schriftzeichen den Eingang markieren und man nicht gut durch die Fenster gucken konnte), aber dank Kamera-Übersetzung und mit Fingerzeig  auf die entsprechenden Zeichen auf der Speisekarte, war das Bestellen kein Thema!

Speziellen, malzigen, selbsthergestellten (?? die deutsche Übersetzung war sehr blumig…einiges konnte ich nur ableitend erahnen) Kaffee und Sandwich mit selbstgemachter Eiersalat (mit Wasabi). Lecker!

Dem Wetter entsprechend orderte ich noch einen zweiten Kaffee und laß ein paar Kapitel in meinem Buch, welches ich, für das herbstliche Muckelgefühl (nicht zu verwechseln mit „Muggel“!!!) mitgenommen hatte.

Als die zweite Tasse leer war, bezahlte ich (nicht, ohne vorher noch das Café zu loben) und wollte zum Zuiryuji-Tempel.

Regenschirm aufgespannt und los!

Was mich da erwartete, also darauf war ich nicht gefasst!

Nachdem ich es, mit Hilfe einer Angestellten, geschafft habe, dem japanischen Ticket-Automaten die Eintrittskarten zu entlocken, stand ich vor dem ersten Tor…und war schon geflashed! Dann kam das zweite Tor, ich sah den Innenhof und den Gang einmal rum… Ich war hin- und weg!

Und wenn ich schreibe, dass dies einer der beeindruckendsten Tempel, die ich je gesehen habe, ist, dann liegt es nicht daran, dass ich erst drei in meinem Leben besichtigt habe (ich war insgesamt fast 5 Monate in Indien).

Da ich noch etwas Kleingeld hatte, wollte ich einem der Figuren dies „spenden“ (vor jeder Figur, auch in den anderen Tempeln, steht eine „Klingelbox“) und ich entschied mich für diese (es interessierte mich im Nachhinein doch, welche Figur ich wählte; ich googelte nach und platt):

„Die Figur stellt somit Jizō Bosatsu (Ksitigarbha) dar, eine im Buddhismus sehr verehrte Bodhisattva-Gottheit, die hier speziell als Beschützer für ein langes Leben und das Wohlbefinden (insbesondere von Kindern, Reisenden und leidenden Wesen) angerufen wird. 

Jizō ist im japanischen Volksglauben der ultimative Beschützer von Reisenden, Wanderern und Unterwegs-Seienden.“

Beseelt zog ich meine nassen Schuhe aus, um mit noch nässeren Socken (ich war vorher in eine Pfütze getreten) die Gebetsräume zu betreten.

Und weil ich so fasziniert bin und nachhaltig beeindruckt, gibt es hier noch eine kurze Gemini-Erläuterung zu dem Tempel:

„Der Zuiryū-ji (Takaoka) – Meisterwerk des Zen-Buddhismus
Was er ist: Der Zuiryū-ji ist ein buddhistischer Tempel der Sōtō-Schule und gilt als eines der absolut herausragendsten architektonischen Meisterwerke der frühen Edo-Zeit. Die Hauptgebäude (das Sanmon-Tor, die Haupthalle Butsuden und der Lehrsaal Hattō) sind offiziell als Japanische Nationalschätze deklariert.
Die Geschichte: Erfaut wurde der Tempel im 17. Jahrhundert (fertiggestellt um 1663) vom dritten Fürsten des mächtigen Kaga-Klans, Maeda Toshitsune. Er widmete diesen prächtigen Ort seinem verstorbenen Stiefbruder und Vorgänger Maeda Toshinaga, dem Gründer der Stadt Takaoka.
Bedeutung in Japan: In Japan ist der Tempel extrem angesehen – vor allem wegen seiner perfekten, streng symmetrischen Architektur und den gedeckten, über kilometerlangen Korridoren, die die Hallen verbinden. Weil er etwas abseits der ganz großen Touristenströme (wie Kyoto oder Tokio) liegt, reisen viele Japaner aus dem ganzen Land gezielt hierher, um die spirituelle Ruhe und die makellose Anlage zu erleben.„

Danach ging das „Staunen im Regen“ noch weiter…aber davon erzähl ich ein anderes Mal!

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