Champi lässt grüßen!

Heute wird es draußen lausig und innen dafür cozy!

Die Ausläufe des Taifuns „Champi“ ziehen über das Land und deshalb sind für heute, Dauerregen und ungemütliche Temperaturen angesagt.

Für mich bedeutet das: ich bleib in der Lodge! Hier kann ich frühstücken und Abendessen und den Rest des Tages wird gechillt, gelesen, gebadet, geschrieben und die Reise, bis zu diesem Zeitpunkt, etwas reflektiert…in genau 4 Wochen fliege ich wieder zurück nach Deutschland!

           xxx

Ich starte jetzt mal da, wo ich gestern, der Kopfschmerzen wegen (ich hab gestern festgestellt, dass ich tatsächlich die allererste Ibu auf meiner ganzen Reise genommen habe!) aufgehört habe. Nämlich am Chūzenji-See, oben im Nikkō-Nationalpark.

Die Fahrt da hoch war lang und kuschelig… man könnte es auch als „überfüllt“ beschreiben, aber ich war ja froh, dass ich noch in den Bus mit einsteigen durfte!

Nach 20 Minuten Fußmarsch von meiner Mountain-Lodge zum Busbahnhof, fand ich den richtigen Terminal zum See ziemlich schnell und sofort, denn da stand die größte Menschenschlange!

Da ich weder gut schätzen kann, noch irgend etwas erfinden möchte, hab ich mal nachgegoogelt:

„• Sitzplätze: Etwa 35 bis 45 feste Sitzplätze.
• Gesamtkapazität (inkl. Stehplätze): Rund 60 ถึง 75 Fahrgäste, da die Busse für den Linienverkehr ausgelegt sind und in Stoßzeiten (besonders im Herbst zur Laubfärbung) auch stehende Fahrgäste mitnehmen.“

Das bezieht sich auf den Bus, mit einer Fahrtzeit von knapp einer Stunde und ner menge Serpentinen (die sind allerdings sehr durchdacht angelegt/gebaut: jeweils 2-spurig, eine Seite den Berg geht es hoch und rückzugs die andere wieder runter!)

Also, ich war jedenfalls einer dieser stehenden Fahrgäste und wir wurden stehts weiter nach hinten gedrängt, damit noch mehr Menschen „Platz“ haben. D.h. der Bus war knüppelknalle voll!

Da allerdings soviele Menschen, die in der Warteschlange vor dem Bus noch hinter mir standen, soviele, dass tatsächlich nicht alle in den Bus passten, war ich dankbar, bei dieser Fuhre dabei sein zu dürfen und nicht noch 30 Minuten auf den nächsten warten zu müssen!

Oben angekommen war ich erstmal leicht geflasht!

(Abgesehen, dass mein Hirn schon unten in „Nikkō-Dorf“ komplett verwirrt war, weil mich der Ort so an die Gegend um den Lake Tahoe (Kalifornien), alpine Skiorte, Daramshala (Indien) und Braunlage (Brocken) (oder besser: einem Mix aus alledem) erinnert hat, dass ich mich ständig daran erinnern musste, dass ich in Japan bin!)

Die erste Herbsfärbung zeigte sich, es roch wunderbar nach Bergen und es war so faszinierend, dass mich selbst das „Touristen-Pack“ (zu dem ich ja selbst gehöre) nicht störte!

Abgesehen „Touristen“: es ist ein kunterbunter Mix aus allen Ländern der Welt!! (Mein Gästehaus ist eher „Langnasig“, vor allem viel „europäisch“ kann ich raushören)

Zuerst ging ich zum Wasserfall. Der Waserfall hat leider eine tragische Geschichte, à la „Werther“.

Falls es interessiert, hab ich es mal rauskopiert (das reimt sich ja!):


„Die Ereignisse am Kegon-Wasserfall

• Der Suizid von 1903: Am 22. Mai 1903 sprang der 16-jährige japanische Schüler und Philosophiestudent Fujimura Misao von der 97 Meter hohen Kante des Kegon-Wasserfalls in den Tod.
• Die philosophische Abschiedsnachricht: Zuvor hatte er ein Abschiedsgedicht in den Stamm eines Baumes in der Nähe des Wasserfalls geritzt (Fukamyo-roku / Gedanken über das Unermessliche), in dem er ausdrückte, dass die Welt ein Rätsel sei und er durch seinen Tod die Grenzen der Erkenntnis ausloten wolle.
• Der Nachahmungseffekt (Werther-Effekt): Sein Tod erregte im damaligen Japan immenses mediales Aufsehen. Er wurde von Teilen der Presse und Jugend mystifiziert und glorifiziert – ganz ähnlich wie Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers im Europa des 18. Jahrhunderts.
• Die Welle von Nachahmungstaten: In den folgenden Jahren verübten Dutzende, zeitweise über 200 junge Menschen am selben Ort ebenfalls Selbstmordversuche, weshalb der Wasserfall lange Zeit als düsterer Anziehungspunkt für Lebensmüde galt.

Gegenmaßnahmen

• Nobu Jo: Eine engagierte japanische Sozialaktivistin namens Nobu Jo rettete später zahllose Menschen direkt am Abgrund des Kegon-Wasserfalls, indem sie eine Beobachtungs- und Lebensrettungsstation gründete.
• Heutige Situation: Heute ist der Kegon-Wasserfall wieder vor allem ein gesicherter, weltberühmter Touristenmagnet und zählt zu den drei schönsten Wasserfällen Japans, gesichert durch hohe Zäune und Kameras.“ (Quelle: Google)

Das er zu den drei schönsten Wasserfällen des Landes gehört wundert mich ein wenig…aber hässlich war er nicht!

Und was absolut auch nicht hässlich war (sogar das absolute Gegenteil): der Chūzenji-See… Ist der schön!!!

Noch dazu strahlender Himmel über mir, das blaueste Blau vor mir und frische, reine Luft um mich herum… herrlich!!

Ich spazierte (den Zeh hatte ich diesmal nicht mit dem kleinen daneben, sondern mit dem zweiten Zeh (welcher ein „griechischer Göttinenzeh“,also länger als der große Zeh ist) zusammen getapt…was viel mehr Sinn ergab und klasse fixiert hat!!) den See entlang (natürlich nicht ganz denn:

  • Fläche: ca. 11,8 bis 11,9 km²
  • Umfang: ca. 22 bis 25 km
  • Höhe über dem Meeresspiegel: 1.269 Meter (damit ist er einer der höchstgelegenen natürlichen Seen• Fläche: ca. 11,8 bis 11,9 km²
    • Umfang: ca. 22 bis 25 km
    • Höhe über dem Meeresspiegel: 1.269 Meter (damit ist er einer der höchstgelegenen natürlichen Seen Japans)
    • Maximale Tiefe: ca. 163 Meter),

besichtigte den, am Wasser gelegenen und, als Anfang für Bergtouren dienenden, Futarasan-Jinia Chügüshi-Schrein, um danach angehungert auf Nahrungssuche zu gehen.

(Da ich kurz vorher, auf einer Bank am See eine unangenehme Begegnung mit einem Insekt hatte, welches in mein Ohr hinein kriechen wollte… und ich mir bis dato, nicht vorkommen sicher war, ob es das nicht eventuell doch geschafft hatte, wiederstand ich dem Begehren mich noch mal an den See zu setzen)

Überall nur Barzahlung (glücklicherweise war ich drauf vorbereitet), habe ich das erste Mal, richtig „traditionell Japanisch“ gegessen…und muss zugeben, war mega aufgeregt deswegen!

Ich wurde an einen viereckigen Tisch geführt (es gab noch auf einer Empore niedrige Tische ohne Stühle, allerdings jeweils für 2 Personen), Einzelgäste saßen bevorzugt da, wo ich auch hinplaziert wurde.

In der Mitte des großen Tisches, war ein Gefäß mit frischen Stäbchen und man bekam sofort nach Platznahme eine Tasse mit Tee serviert.

Ich bestelle „irgendetwas“, was sich als „Kalte Soban-Nudeln, Reis mit Garnelen, etwas Schlonzigem (was aber gut geschmeckt hat) und einem Salat plus einem Schüsselchen mit Wasabi und Frühlingszwiebeln und einer roten Soße“ rausstellte.

Da saß ich nun, mit meinen Stäbchen, umgeben von Japanern und dem Wissen „es wird nicht alles, so wie in Deutschland, zusammen gemischt“.

Glücklicherweise folge ich einer jungen Japanerin schon seit längerem auf Instagram…also die Grundkenntnisse („Stäbchen nicht mit den Zähnen berühren, Nudeln hochziehen, bzw. schlürfen, ansonsten Schälchen an den Mund heben“) erahnte ich noch…

Und dann ließ ich einfach locker, aß, schaute meinen Nachbarn zu- und ab und war positiv überrascht, wie gut ich doch mit Stäbchen umgehen kann!

Glücklich und zufrieden und auch ein klein wenig stolz, kehrte ich dann für Kaffee und Käsekuchen (Käsekuchen ist richtig ein Ding in Japan!!) noch in ein anderes kleines Lädchen ein, um danach mit dem Bus wieder zurück zu fahren.

Diesmal war die Schlange noch länger! So lang, dass ich nicht mehr in den Bus reinpasste, was aber bedeutete, dass ich, im darauffolgenden Bus, einen schönen Sitzplatz am Fenster ergattern konnte!

Im Hostel/Guesthouse/Lodge angekommen, kamen leider auch Kopfschmerzen dazu… aber mit einer Ibu verarztet, konnte ich abends erneut, meine Stäbchenkünste, beim Schlürfen und Hochziehen des Instant-Ramens, welches ich mir im „Family Mart“ besorgt hatte, unter Beweis stellen!

So und nun verschwindet ich in die wärmende Badewanne und genieße einen Tag des Nichtstuns!!!

Kommentar verfassen