Einmal Klinik und zurück…

Heute war mein „großer Tag“: ich besuchte das erste Mal eine japanische Klinik…allerdings nicht, zur reinen Sightseeing-Besichtigung, sondern als Patientin.

Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, wäre ich wahrscheinlich noch aufgeregter gewesen als ich sonst schon war!

Aber erstmal beginne ich mit gestern, um den Sonntag abzuschließen!

Im strömenden Regen kam ich in Niigata an und da mein Schirm irgendwo tief im Koffer vergraben war (hervorragende Ausgangslage für dieses Wetter!), lief ich, etwas vor mich hinfluchend, die knapp 8 Minuten zu meinem Hotel die Straße entlang.

Es war wieder ein APA, wie in Tokio, aber diesmal waren die Angestellten, auch ohne Englischkenntnisse, viel netter!

Es war 12:45, also noch über 2 Stunden bis zum eigentlichen Einchecken.

Meinen Koffer gab ich ab, mir wurde vorher noch ein Handtuch für ihn gereicht (für meinen süßen Kleinen), da ich ihn auf dem Boden nochmal öffnen wollte (weil: ohne Schirm geh ich nicht nochmal raus!!) und als ich danach nochmal über den Boden wischte, kicherten sie.

So, mit Regenschirm ausgerüstet hinein, oder besser hinaus in das Leben.

Niigata zählt ungefähr soviel Einwohner wie Frankfurt a. M., nur, dass sich diese auf mehr Quadratmeter verteilen.

Ich kann nicht sagen, was es ist…aber dieser Stadt hat es mir irgendwie angetan!

Ich bin an dem Nachmittag (vor und nach dem Starbucks-Besuch) noch viel gelaufen und diese Stadt hat…. Flair!

Am Wasser, bzw. am Ufer des Shinano (der längste Fluss Japans. Neben „Schlei“ und „Seine“ ein neuer Stadt/Land/Fluss/-Punkte-Tipp!) war ich nur kurz. Denn ich wollte weder „Mary Poppins“ spielen (und mit dem Schirm davon fliegen), noch die andere Möglichkeit bei der sich der Regenschirm einmal von außen nach innen klappt und kaputt geht.

Im Zimmer eingescheckt, „bereitete“ ich schon mal alles für meinen anstehenden Arztbesuch am nächsten Morgen vor und stellte dabei fest, dass mich das mehr stresst als gedacht.

Abends noch fix was auf dem Zimmer gegessen und dann folgte die erste Nacht in Japan, bei der ich mit geöffneten Fenster schlafen konnte!! Was tat das gut!

Dieses Hotel hat zwar auch, wie alle anderen davor, kein Fliegengitter, aber ich bin nun nördlicher und das örtliche Herbstklima hat die Moskitos vertrieben!

Allerdings musste ich, mitten in der Nacht, eine 180 Grad Wende einleiten, da ich doch mit dem Kopf zu nah am Fenster lag, dass ich befürchtete am Morgen nicht nur Mund-Skorbut, sonder auch eine Nackenstarre zu haben.

Um 9 Uhr macht das „Nippon Dental University, Niigata Hospital“ auf (ich hatte mir dieses rausgesucht, weil dort englisch sprechende Ärzte sein sollen und es die Profis in Sachen Mund und Zähne sind!), der Bus dahin braucht 35 Minuten, Bushaltestellen- plus Hospitalsuche mit eingerechnet und auch die Möglichkeit, dass ich in den falschen Bus steige… um 7:35 h stand ich an der Haltestelle und um 8:10 h war ich vorm Krankenhaus.

Allerdings war dieser Puffer auch Gold wert, was sich ziemlich schnell rausstellte!

Denn in der und vor der Klinik stand alles nur auf Japanisch!! Alles!!!

Also musste ich mir alles (!) erst übersetzen und stand dann vor der Anmeldung (davon ging ich dann einfach aus!!!). Die Läden waren noch unten und zu und ich hatte somit noch etwas Zeit und Gelegenheit mich umzuschauen und Zettel, die vor dem verschlossenen Schalter lagen zu fotografieren und mir  übersetzen zu lassen.

Eines war ein Neupatienten-Bogen, den ich dann erstmal mit der Hilfe von Google ausgefüllt habe (trotz Hilfe, war das nicht einfach!! Ich musste Google auch nochmal daran erinnern, dass ich ein Mensch bin und ich eine „Schritt für Schritt-Anleitung“ benötige… dann fühlte ich das Formular, so gut ich konnte aus).

Um 8:45 wurde der Rollladen der Anmeldung hoch gezogen und ich ging zu der Dame am Schalter.

Null Komma Null englisch und ich musste feststellen, dass die Übersetzer-App, die ich habe, auch nicht immer was taugt… Anscheinend ist japanisch zu „blumig“, viel hat für mich (und mein Gegenüber) keinen Sinn ergeben.

Die Bezahlung, bzw. Versicherung war die größte Anfangshürde, obwohl ich das in den Text, den die App übersetzen sollte, mit eingefügt hatte.

So war es ein: „App-Übersetzung“, dann zu Gemini, erzählen was sie nicht versteht, was es sein könnte, was sie will, dann zur Kamera, um zu übersetzen was sie mir hinhält, dann wieder zur Übersetzer-App zurück… ich dachte, dass wird nicht mehr!!

Irgendwann verstand sie, dass ich Selbstzahlerin bin und dann kam das nächste: ich solle meinen Namen und alles, was ich schon ausgefüllt habe, nochmal in japanischen Zeichen ausfüllen…

„Whaaaaaattt??“, ähhhh, schnell übersetzt: „Das kann ich nicht!“, dann sprach sie in die App „Welche Sprachen ich denn könne“, dann ich zurück geantwortet „Deutsch und Englisch“ (also „japanisch“ war nicht dabei), dann sagte sie, ich solle mich nochmal hinsetzen.

Ein wenig mitgenommen saß ich da und war mir nicht sicher, ob ich bleiben darf oder nicht.

Ich beobachtete sie und 3 ihrer Kolleginnen (die wahrscheinlich genauso verzweifelt mit mir waren, wie ich mit der Situation), wie sie mit einem Arzt redeten.

Dieser kam, kurze Zeit später, dann zu mir und sprach mich auf englisch an… puhhhh, was eine Erleichterung!!!

Allerdings waren wir ein wenig „Lost in Translation“, weil es das Wort „Mundsoor“ nicht im Japanischen gibt und er mich nicht verstanden hat, bis ich das deutsche Wort „Candidose“ ihm zeigte und er es erkannte.

Er war dann auch zufällig mein behandelnder Arzt, auf dessen Station ich dann 10 Minuten später gebracht wurde.

Ob ich ein Problem damit hätte, wenn seine Studenten zuschauen…Natürlich nicht!

Insgesamt hat das alles nur 1,5 Stunden gedauert und nur umgerechnet 40 Euro (!!!) gekostet.

Der Arzt war sehr beeindruckt von meiner Reise und erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren mal in der Schweiz praktiziert hat. Da wir uns privat unterhielten und dabei lachten, wurde dies mit Gekicher seiner Studierenden quittiert und der Herr Doktor erinnerte sich wieder daran, dass er im Dienst ist.

Allerdings kam er später nochmal zu mir, um mir das Rezept und die Einnahme des Medikaments zu erläutern.

Es waren nur 1,5 Stunden…aber Aufregung pur, tatsächlich hatte ich auch etwas Bedenken wegen der Höhe der Behandlungsgebühr (nachdem ich die allerdings sah und verwirrt nochmal in Euro umrechnete, denke ich, dass da irgendein Fehler gemacht wurde und eine Zahl fehlt, da mir ja 100 Prozent des Betrages in Rechnung gestellt wurden!!).

So, und nun geh ich in die Hotel-Onsen. Es gab Tattoo-Abklebe-Pads im Hotel und ein wenig Entspannung tut mir jetzt (sicher) gut!

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