…naja, oder so ähnlich…
Auf jeden Fall muss ich feststellen, dass ich hier in Sapporo mich mutig fühle!
Abgesehen davon, dass ich diese Stadt jetzt schon liebe (sie hat sowas von einem Mix aus Chicago und Hamburg) und es heute schneit (was ich auch liebe) und in dem coolste Hotel ever bin (ich wurde mit einem Kakao begrüßt, jeden Tag gibt es anderthalb Stunden freie Weinverkostung, morgens steht ein japanisches Frühstück (leckere Suppe) vor der Tür, es gibt eine riesen Auswahl an allen Kosmetikartikeln (selbst Pyjamas kann man hier kostenfrei borgen)…), mache ich hier Dinge, die ich die ganze Reise nicht getan habe!
Aber erstmal zu gestern:
„Toki-Air“ ist eine „Low-Cost Regional Airline“ mit Hauptsitz in Niigata.
Ich habe für den Flug keine 40 Euro bezahlt und das mit Freigepäck bis 20 kg und 10 kg Handgepäck. Selbst als mein Koffer auf der Waage 20,5 kg anzeigte (ich frage mich wo die anderen 1,5 Kilo geblieben sind, die Schuhe und die Regenjacke alleine, können die ja nicht ausgemacht haben?!?) musste ich kein Übergepäck bezahlen!
Mit einer kleinen Propeller-Maschine ging es dann, von Niigata, anderthalb Stunden über das Japanische Meer, bis wir in Sapporo landeten.
Da „Toki-Air“ den Stadtflughafen anfliegt (es gibt noch einen weiterenFlughafen etwas weiter draußen (da muss ich am Samstag hin)), konnte ich auch ohne weiters (damit meine ich, ohne horrende Kosten) mit dem Taxi zum „Unwind-Hotel“ fahren.
Vorausschauend hab ich mir den Hotelnamen und Adresse von Google ins japanische übersetzen lassen…und das war auch gut so, denn mein, nur japanisch sprechender, Taxifahrer war etwas planlos (allerdings hat die Stadt auch knapp 2 Millionen Einwohner…da darf man gerne mal ohne Plan sein!).
Im Taxi merkte ich das erste Mal, dass es mir egal ist, ob wir uns sprachlich verstehen, denn irgendwie klappt es immer und so kramten der Taxifahrer (schick im schwarzen Anzug übrigens) und ich, beim Hotel angekommen, in meinem Portemonnaie nach zwei 100ter Münzen und mussten beide lachen, weil wir ständig falsche in den Fingern hatten (natürlich hat die Fahrt mehr als 200 Yen gekostet, aber ich habe ihm einen 10000 Schein gegeben und da der Betrag irgendwas mit „200 am Ende“ war, hat er gefragt, ob ich die 200 auch klein habe… (und diese Frage konnte ich auch ohne Japanisch-Kenntnise verstehen!)).
(Die Alternative zur Taxifahrt wäre übrigens 3 Mal umsteigen mit Bus und U-Bahn gewesen)
Pünktlich zur Weinverkostung, das heißt, ich hatte noch 20 Minuten, um richtig anzukommen und mich etwas frisch zu machen (eigentlich war es eher eine „Chanel Nr.5-Dusche“), kam ich an und trank, das erste Mal auf dieser Reise, japanischen Rotwein.
Ein Kanadier sprach mich an (den ich fälschlicherweise für einen US-Amerikaner hielt) und wir unterhielten uns ein Weilchen, während wir uns den Wein schmecken ließen.
Damit ich nicht ziellos abends eine Lokalität zum Essen suchen muss, hatte ich mir in Vorfeld schon was rausgesucht.
Nach einem kleinen Abendspaziergang durch die naheliegenden Straßen und über ein Herbstfest mit angeleuchteten Blättern, stand ich vor dem Restaurant und war ein klein wenig aufgeregt.
„Ein Izakaya (居酒屋) ist das japanische Äquivalent zu einer informellen Kneipe, einem Pub oder einer Tapas-Bar. Das Wort setzt sich zusammen aus i (sitzen) und sakaya (Sake-Laden) – historisch waren es also Orte, an denen man den gekauften Alkohol direkt im Sitzen trinken konnte. Heute steht das gemeinsame Teilen von Essen und Trinken in entspannter Atmosphäre im Vordergrund.
Hier sind die wichtigsten Besonderheiten, die man für einen Besuch wissen muss:
Das kulinarische Prinzip: „Nomihoudai“ und Teilen
• Tapas-Stil: Man bestellt keine großen Hauptgerichte für sich allein. Stattdessen werden viele kleine, verschiedene Speisen für den ganz“ (Quelle: Google)
Für so ein Restaurant hatte ich mich entschieden, mit leuchtender Laterne davor (der Laden ist geöffnet, heißt das) und Schiebetür aus Holz).
Also, Schiebetür auf und schon stand ich vor der Theke. Eine lange Theke mit zwei Männern, die schon saßen und ich wurde zwischen sie gesetzt.
Es gab tatsächlich eine kleine Speisekarte auch auf englisch und mit Fingerzeit (weil, das englische Menü nicht gleichzeitig bedeutet, dass auch englisch gesprochen wird) bestellt und, da ich vorher schon gespickt hatte, was „Izakayas“ sind, wusste ich von dem kleinen Appetizer, der dann auch ziemlich zeitnah kam.
Ich hatte mir Edame, frittierte Kartoffeln (die sich als Pommes rausstellten…ich hab jetzt also auch mal Pommes mit Stäbchen gegessen!) und paniertes Hühnchen bestellt.
Mein einer Sitznachbarn, der, obwohl er Ami war, perfektes Japanisch sprach (hörte sich für mich jedenfalls so an), gab mir dann noch eine Süßkartoffel-Krokette zum probieren…die Spezialität hier!
Auch mit ihm führte ich ein längeres Gespräch, während nach und nach das Essen eintrudelte.
Mega stolz auf mich, dass ich diese Kneipe besucht habe, ging ich dann zurück in mein mega Hotel und legte mich in mein mega gemütliches Bett.
Heute morgen stand dann die Frühstückssuppe vor der Tür, ich ließ mir Zeit und nachdem ich mich dann zwiebellookisch eingekleidet hatte, ging es raus in den Schneesturm.
Das hat so gut nach Schnee gerochen!!!
Die 30 Minuten Fußmarsch zum Bahnhof ließen mich, gegen Wind und Schneegestöber stemmend, die Stadt noch mehr erahnen und was ich sah (und aufnahm und spürte) gefiel mir immer besser!
Vor meiner Reise hatte ich, ausser Tokio und Kagoshima, noch nichts geplant. Ich wollte sehen, wo es mich hinzieht.
Innerlich hat es mich, schon zuhause, nach Hokkaido gezogen und auch, ohne zu wissen, ob ich es auf meiner Reise überhaupt so weit nördlich hinschaffe, habe ich tatsächlich die dickeren Sachen nur für den Norden Japans eingepackt.
Und nun, wo ich hier bin, freue ich mich so dermassen darüber!! Ich war nicht nur im Süden, sondern bin auch in der entgegengesetzten Richtung gelandet….wie cool ist das denn!!??
Und Sapporo gehört nun auch zu den Top 5 meiner absoluten Lieblingsstädte!!
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