Langnasen unter sich

Hier in Sapporo gibt es natürlich einige Touristen, allerdings Touristen aus westlichen Ländern machen nur 20 Prozent aus (man grüßt sich, wenn man sich begegnet).

Und gestern Abend lernte ich, 3 junge Männer (um die 30) kennen, die hier leben, arbeiten, japanisch sprechen, allerdings, gebürtig aus Russland, Australien und den USA sind.

Dazu aber später!

Nachdem ich mich gestern vormittag, durch Schnee und Sturm zum Bahnhof, gekämpft hatte, mir ein Zugticket nach Asahikawa für Freitag gekauft habe, ging ich ins AOAO, ein Indoor-Aquarium im 5, 6 und 7 Stock eines Warenhauses.

Apropos „Warenhaus“…hier steht ein Einkaufcenter neben dem anderen. Du könntest den ganzen Tag bowlen, ins Kino gehen oder Du kannst Karaoke singen oder in eins der zig tausend Cafés…oder Du kannst…aber da bin ich jetzt noch nicht!

Das AOAO-Aqarium versteht sich als „hybrides „Mitmach-Labor“ und Co-Working-Space“, alles super stylisch und cozy für den menschlichen Besucher gemacht, doch die Fischies da taten mir echt leid!

Als „Art-Aquarium“ waren die kleinen (!) Wassertanks mit ihren fischigen Bewohnern grell erleuchtet. Ich glaube, wenn mir jemand ständig eine helle Lampe in die Fresse halten würde, würde mir das nicht so gefallen…

Mit ungutem Gefühl verließ ich das AOAO.

Wieder raus in den Schnee, es wurde langsam etwas hageliger und der Wind nahm zu.

Was kann man an einem windigen  Schneetag in einer Stadt, die alles bietet, tun??

Genau, ich geh in eines der vielen Einkaufscentren, fahre auf’s Dach und setze mich in ein Riesenrad!

Ein kleines Roulettespiel „für und mit“ meinem Nervensystem und der Wetterlage, aber, in mir brodelt die Samurai-Kriegerin, die erneut raus wollte (Riesenräder zählen wieder zu den Dingen, in denen ich mich ausgeliefert fühle, „gefangen“ in einer Kapsel… Aber, ich wollte es wissen!)

Bei dem Wetter war ich die einzige Fahrgästin, hatte also das ganze riesige Rad nur für mich!

(Da ich in Japan bin, ging ich einfach davon aus, dass, wenn es wegen des Wetters zu gefährlich werden würde, sie das Gefährt schließen (solange ich nicht noch da drin bin, hoffentlich!)!)

Der Wind brauste, die Hagelkörner prasselten gegen meine Gondel, es ging langsam aber stetig höher, leichte Schaukelbewegungen setzen ein…

…und mir ging es gut! Ein paar Fotos gemacht, die Stadt von oben angeschaut, das Wetter war mir zwar nicht geheuer, aber dann ging es schon wieder runter gen Boden.

Stolz wie die Kriegerin, die in mir haust, bin ich, im Hotel angekommen, erstmal in die warme Badewanne, um dann kurze Zeit später in der Roofbar, heute mal die Weißweine zu probieren.

Danach packte ich mich nochmal gut ein und machte mich auf den (Um-) Weg zu dem Lokal was ich heute für mich rausgesucht hatte.

Ich hatte noch Zeit, bis das „Beer Inn Mugishutei“ aufmachte.

(„Gründer & Inhaber: Die Bar wurde 1980 von Phred Kaufman (einem aus Kalifornien stammenden US-Amerikaner und echten Urgestein der japanischen Craft-Beer-Szene) eröffnet.
• Aktuelles Ereignis: Phred Kaufman ist im Oktober 2026 nach gesundheitlichen Komplikationen verstorben. Sein Sohn Jonah führt die Bar in seinem Sinne weiter.)    (Quelle:Google)

Als ich so die Straßen dahinschlengelte (einfach mal links, dann rechts, dann geradeaus…), fiel mir ein beleuchteter Park auf und für umgerechnet knapp 3,50 Euro, holte ich mir ein Ticket für die „Sapporo Autumn Illumination“ im  Nakajima-Park.

Das war schön! Die Sonne war schon vollkommen verschwunden und mit Lichtern und Musik wurde eine stimmungsvolle Atmosphäre geschaffen…

Danach dann rein ins Bierparadies.

Ich war die Erste, mit mir war nur der Barkeeper (oder besser Beerkeeper) da, der mir alles erklärte und zeigte.

Da ich lange Zeit mit ihm alleine war, kamen wir viel zum Reden. Er ist Russe und zusammen mit seiner Frau studiert er nun seit 6 Jahren schon in Japan.

Kurze Zeit später, kamen zwei weitere „Langnasen“ herein, ein US-Amerikaner, der in Sapporo in einem Weinladen arbeitet und ein Australier, der eine japanische Frau hat und auch hier vor Ort angestellt ist, aber nächste Woche einen neuen Job anfängt.

Wir waren eine lustige Runde, bis 2 Japaner, hinter- und nacheinander, herein kamen, die sich zwischen uns setzten und da alle außer mir der Landessprache fähig waren, stand (oder saß) ich etwas davor (oder daneben).

Ganz so schlimm fand ich es nicht, ich bekam auch schnell mit, um was es ging und tippte schnell meinen Senf dazu (es ging darum, wo man Ski- oder Snowboard fährt) in die Übersetzer-App und zeigte dies den Japanern.

„Ohhhhhh, Alps!!!“

Da mir das Ganze aber dann doch zu doof und ich auch langsam müde wurde, veranschiedete ich mich kurz danach.

Aber es hat gutgetan, mal wieder „kulturelle Nähe“ zu spüren… Einfach sein, frei nach Schnauze reden, ohne die Befürchtung, in ein (unbewusstes) Fettnäpfchen zu treten!

Die Nacht war schlecht und eher schlaflos, dafür die Frühstückssuppe umso besser.

10 Grad sollten es heute sein. In der Sonne waren es wahrscheinlich auch die vollen 10, aber im Schatten war es wieder schattig kühl und ich war froh, 2 Jacken übereinander angezogen zu haben.

Insgesamt bin ich heute fast 8 Kilometer gelaufen und bin nun etwas zerstört und brauch ne Pause… Mata ashita!!

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