Heute fliege ich nach Sendai, meine letztes Reiseziel Japans (danach kommt nur noch Flughafen-Hotel in Tokio).
Es ist super früh, ich sehr müde und es und mir ist kalt… aber ich hab gut geschlafen, mein UBER kam, ich hatte einen sehr netten Fahrer und ich sitze nun, mit mehreren anderen Wartenden vor dem Check-In-Schalter der „Air Do“.
Und das Wichtigste: auch mein Handy ist noch heil, ich habe es gestern nicht wutzerstört, weil nichts mehr geklappt hat! (Dafür hatte ich es auf dem Klo vergessen…und ich sagte mir noch, als ich es neben mir ablegte: „Denk gleich dran Dein Telefon mitzunehmen!“…Kurzzeitiggedächtnis halt!!! Die nette Frau, die nach mir die Kabine benutze, hatte es in der Hand als sie wieder rauskam und war, wahrscheinlich, genauso froh, die Besitzerin gefunden zu haben, wie die Besitzerin wieder ihr Handy!! Wir haben sehr gelacht (ich vor allem vor Erleichterung) und später im Zug saß sie zwei Sitze neben mir und auch da haben wir, nochmal in ein einheitliches Lachen eingestimmt, als wir uns wiedererkannt!)
Davor war ich gestern noch im Museum, im Asahikawa City Museum. Wahnsinn interessant, da es die Geschichte der indigenen Ureinwohner Hokkaidōs, der Ainu erzählt. Hier hab ich ein wenig zusammen kopiert:
„Die Ainu sind die indigenen Ureinwohner Hokkaidōs, der Kurilen und Sachalins. Ihre jahrhundertelange Geschichte auf Hokkaidō ist von einer tiefen Naturverbundenheit geprägt, wurde jedoch ab dem 15. Jahrhundert und besonders im 19. und 20. Jahrhundert durch eine systematische, rücksichtslose Unterdrückung und Zwangsassimilation seitens des japanischen Staates fast vollständig ausgelöscht.
Die Phase der Kolonisierung (15. bis 19. Jahrhundert)
Ursprünglich lebten die Ainu als Jäger, Fischer und Sammler unabhängig von Japan. Mit dem Vordringen japanischer Clans (insbesondere des Matsumae-Klans ab dem 17. Jahrhundert) änderte sich dies drastisch:
• Wirtschaftliche Ausbeutung: Japan errichtete Handelsmonopole, zwang die Ainu in ungleiche Handelsverträge und beutete sie unter sklavenähnlichen Bedingungen aus.
• Niedergeschlagene Aufstände: Bewaffnete Widerstände der Ainu – wie der Koshamain-Aufstand (1456) oder der Shakushain-Aufstand (1669) – wurden von den Japanern mit überlegener Waffengewalt blutig niedergeschlagen. Der organisierte Widerstand brach damit zusammen.
Die systematische Unterdrückung in der Meiji-Zeit (ab 1868)
Mit der Meiji-Restauration übernahm der japanische Staat die direkte Kontrolle. Im Jahr 1869 wurde die Insel Ezochi offiziell in Hokkaidō umbenannt und annektiert. Es folgte eine Phase des radikalen Kulturbezugs und der Zwangsassimilation:
• Enteignung des Lebensraums: Das angestammte Land der Ainu wurde zu staatlichem Eigentum erklärt und an japanische Siedler vergeben.
• Verbot der Lebensweise: Die traditionelle Jagd (z. B. auf Bären und Hirsche) sowie der Lachsfang wurden gesetzlich verboten und als „Diebstahl“ kriminalisiert. Die Ainu wurden gezwungen, als Bauern auf oft unfruchtbaren Böden zu arbeiten, was zu extremen Hungersnöten und Armut führte.
• Kulturelles Verbot: Die Ainu-Sprache wurde verboten. Traditionelle Tätowierungen (wie die Lippen-Tätowierungen der Frauen) und religiöse Rituale wurden unter Strafe gestellt. In Registern wurden sie herabwürdigend als „ehemalige Ureinwohner“ eingestuft.
Das „Schutzgesetz“ von 1899
Im Jahr 1899 erließ die Regierung das Hokkaido Former Aborigines Protection Act. Obwohl es oberflächlich als Hilfsprogramm deklariert war, besiegelte es die vollständige rechtliche und kulturelle Anpassung. Die Kinder wurden in separate Schulen geschickt, um ausschließlich Japanisch zu lernen. Dadurch starb die Sprache fast vollständig aus.
Heutige Situation und späte Anerkennung
Erst Ende des 20. Jahrhunderts begann ein zaghaftes Umdenken:
• 1997: Das diskriminierende Schutzgesetz von 1899 wurde endlich aufgehoben.
• 2008: Nach jahrzehntelangem Aktivismus erkannte das japanische Parlament die Ainu erstmals offiziell als indigenes Volk an.
• 2019/2020: Ein neues Gesetz verbriefte den Schutz ihrer Identität, und im Jahr 2020 eröffnete das staatliche Upopoy National Ainu Museum in Shiraoi.
Heute leben schätzungsweise noch rund 20.000 Ainu auf Hokkaidō. Ihre Kultur erlebt durch Museen und Festivals eine Renaissance, allerdings kämpfen viele Gemeinden bis heute mit den sozioökonomischen Folgen der jahrhundertelangen Marginalisierung und Diskriminierung.“ (Quelle: Google)
Während ich mir die japanischen Texte hab übersetzen lassen, kamen mir Fragen über Fragen und so fragte ich das Internet fast leer und fand Dinge heraus, die so gar keine schöne historische Bilanz auf einige (!) Länder werfen!
Voll Informationen (diese zu teilen, jetzt den Rahmen sprengen würde) ging ich Richtung Bahnhof für ein Mittagessen (muss ja was essen, des Medikamentes wegen!).
Ich bin in den Food-Court eines riesigen Einkaufcenter am Bahnhof gegangen und als mein Buzzer losvibrierte und zu tönen begann, da traute ich meinen Augen nicht!
Ich hatte auf meinem Plastiktablett, neben Stäbchen, Besteck und einem Pappbecher voll Cola, einen „Heißen Stein“ auf dem mein Steak so vor sich hin bruzelte…im Einkaufszenter!!
Also, das hat mich wirklich fasziniert!
Die anschließende Fahrt nach Sapporo und weiter nach Chitose war smooth, das Einchecken in meiner Flughafen nahen Unterkunft dafür etwas holpriger.
Ich hatte einen Container (es waren tatsächlich Schlaf-Container) für 4 gebucht (Einheitsgröße), einen Code für den Self-Check und stand nun vor dem Tablet. Blöderweise kam Sekunden später, eine japanische Familie, ebenfalls zum einchecken, an das Tablet neben mir.
Neben dem Code und 1000 Bestätigungen, die ich anklicken musste, musste sich jeder Gast per Videotelefonie noch ausweisen.
Mein Videoscreen ging nicht (einseitig, denn meine Gegenüber konnte mich sehen), es war ein lautes, quitschendes Hintergrundgeräusch zu hören (dies beidseitig) und neben mir „schrie“ die Japanerin in ihr Tablet und musste alle Kinder in die Kamera hochhalten.
Trotz mieser Akustik und fehlendem Bild klappte es irgendwann und ich ging containern.
Abends bestellte ich mir noch was bei „Pizza Hut“ über UBER Eats und konnte auch schnell einschlafen.
×××
Nun sitze ich in Sendai, habe schon eine Stadtrundfahrt hinter mir und ein Stück gedeckten Apfelkuchen (!!!!) in mir und versuche, nicht einschlafend, vom Stuhl zu fallen!
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