Ich möchte mich heute erstmal ganz herzlich bedanken! Bedanken, wie sich meine Schwester Heike (oder liebevoller auch „Heiki“ genannt) zuhause um alles kümmert!
Sie hat nicht nur selber Haus und Familie und Job, nein, sie ist für meinen/unseren Vater da und organisiert und plant und forscht und setzt alles in Bewegung, dass er die Hilfe bekommt, die ihn zusteht und sie ist meine „Wohnungs-Sitterin“, die dafür sorgt, dass regelmäßig gelüftet wird, das Wasser durch die Hähne läuft (nicht durch die Tiere…um Himmels Willen!!) und meine Behausung Mäusefrei (hatte da leider schon die ein oder andere (oder sogar noch eine) Maus rumlaufen in der Vergangenheit), meine Treppe laubfrei bleibt (damit das Abflusssieb nicht verstopft)… Und bei all diesem, dass sie neben ihrer täglichen Dingen auch noch vollführt, muss dann auch noch ne Sicherung bei mir rausfliegen (also in der Wohnung!) und Heike hat dreifach Stress und zu tun!
Währenddessen ich von Station zu Station reise, Dinge besichtigen, gut (und viel) essen und mir die „Sonne der Leichtigkeit“ auf den Bauch scheinen lasse…
Danke, danke, danke, Heike!!! Danke, dass es Dich gibt 🩷🩷🩷🩷🩷!
Ich weiß jetzt gar keinen guten Übergang zu meinem momentanen „Müßiggang-Leben“…
Ich hatte mich für gestern nochmal für ein „Itameshi“-Restaurant (Fusion von italienischen und japanischen Essen) entschieden… und wie sich im Laufe des Abends herausstellte, war das die beste Entscheidung des Tages (eventuell sogar meines Sendai-Aufenthalts)!
Ich bestelle mir folgendes:
„Das Gericht 海苔と柚子胡椒のクリームソース (Nori to Yuzu-koshō no Kurīmu Sōsu – Nori-Algen & Yuzu-Pfeffer-Sahnesoße) ist ein wunderbares und klassisches Beispiel für die Wafū-Pasta (和風パスタ) – also die japanisch-italienische Fusionsküche!
Hier trifft italienische Pastakultur perfekt auf zwei typisch japanische Zutaten:
Yuzu-Kosho (柚子胡椒): Eine aromatische Gewürzpaste aus der Schale der Yuzu-Zitrusfrucht, grünen Chili-Schoten und Salz. Sie bringt eine frische, zitrusartige Schärfe hinein, die der schweren Sahnesoße Leichtigkeit verleiht.
Nori (海苔): Die dünnen Meeresalgenstreifen sorgen für eine feine, umami-reiche Meeresnote.
Die Kombination aus cremiger Sahne, der Schärfe/Zitrusfrische von Yuzu-Kosho und dem Umami der Nori-Algen gilt in Japan als absolute Delikatesse.“
Und das war sooooo lecker!
So lecker, dass ich es, noch während des Essens meiner Bedienung sagen musste. Sie gab es an den Chef weiter (der mir direkt gegenüber stand, da ich „japanisch“ als Einzelperson an dem Tresen platziert wurde und es eine offene Küche war) und als Aufmerksamkeit/Dank bekam ich ein geröstetes Baguette, um die Reste der Soße damit aufzusaugen (gut, „aufsaugen“ und „geröstet“ funktioniert nicht so gut in dieser Kombination, aber das französische Brot hat seinen Dienst getan).
Dann kam die super nette Bedienung zu meinem Tisch und fragte mich, ob ich auf Business-Trip wäre.
Sie sprach ein wenig englisch, soviel dass eine Gespräch (inklusive dem Einsatz aller Extremitäten) zustande kam.
Ich zeigte ihr meine Japan-Route, ihre Augen wurden immer größer, sie lachte und sagte „Kanoya würde ja noch nicht mal sie kennen“ und als sie erfuhr, dass ich alleine reise und auch noch nicht am Ende bin, fing sie, tatsächlich, an, laut im Restaurant zu klatschen… und das mehrfach und lange!! War das süß und herzerwärmend!!!
Ich bestellte mir dann noch Tiramisu.
Und als der Teller mit dem Nachtisch kam, kicherte sie und sagte, der Chef hätte eine Nachricht für mich draufgeschrieben, als Überraschung.
Und wahrhaftig: da stand, um das Tiramisu herum, in Schokoladenlettern: „Thank you! Welcome in Gin“ („Gin“, der Name des Lokals).
Und das Tiramisu…Ich liebe Tiramisu und bei Tiramisu scheiden sich Welten und so mancher Restaurantbesuch wurde im Nachhinein, mit einem „schlechten“ Tiramisu zu einem Reinfall (o.k., dass ist vielleicht etwas dramatisch ausgedrückt! Sagen wir mal zu einer Enttäuschung… ich bin sehr wählerisch bei dieser Nachspeise!!!)
Beim Bezahlen (der Chef ließ es sich nehmen dabei zu stehen), holte die nette Kellnerin ihre Übersetzer-App raus, stellte sie auf japanisch-deutsch ein und wünschte mir, über diese, eine gute Weiterreise und viel Gesundheit auf meinen Wegen.
Dann wollte ich noch was sagen… ich warf alle Befürchtungen, mich falsch auszudrücken und unbewusst vielleicht sogar zu beleidigen (was ich ja auf keinen Fall wollte) über Bord und „labberte“ einfach in das vorgehaltene Handy hinein: „Vielen, vielen Dank, es war so schön hier! Und das Essen war so gut!! Die Pasta war schon super lecker, aber das Tiramisu hat alles übertroffen und ich bin sehr, sehr wählerisch beim Tiramisu! Vielen Dank für alles!“.
Ich habe anscheinend die richtigen Worte gewählt oder zumindest nicht die falschen… breites Strahlen zog sich über das Gesicht meiner beiden Gegenüber, mit beiden Händen schüttelten sie meine und begleiten mich gemeinsam zum Ausgang und winken mir, als ich unten an der Treppenabsatz ankam (die Trattoria lag im ersten Stock…also in Japan im zweiten) nochmal herzlich zu!
War das ein schöner Abschied und Abschluss dieses Tages!
Die Nacht verfolgten mich die seltsamsten Träume.
Wie, als ob ich es geahnt hätte, machte ich nächtends mein Telefon an und Heike schrieb mir grade ne WhatsApp.
Oje, tat und tut mir das leid wegen des extra Stress in meiner Wohnung!!!
Seltsamste Träume gingen weiter, bis ich morgends erstmal ein paar Minuten brauchte, um Traumfiktion und Wachrealität zu sortieren!
Mein Koffer war schon so gut wie gepackt, denn heute kommt meine letzte Shinkansen-Fahrt, zurück nach Tokio.
Ich wollte vorher noch frühstücken und schaute, schon im Vorfeld, nach einem Café welches, 1. genug Platz für mich und meinen Koffer hat (um mich machte ich mir nicht soviel Sorgen, aber mein Koffer und Rucksack nehmen schon ne Menge Raum ein!) und 2. ebenerdig ist (ich glaube hier ist die Erklärung hinfällig!).
Meine beiden Erstwahlen fielen durch! Erstes Café wegen Platz, zweites tatsächlich wegen Stockwerk und fehlendem Aufzug.
Dann muss halt Nummero 3 (es heißt ja auch „Alle guten Dinge sind 3!“) mein „Place to Eat“ werden!
„Eggs ’n Things SENDAI All Day Breakfast“…warum nicht auch mal hawaiianisch frühstücken!
Mit Aloha-Hemd und Musik, wurden erst mein Koffer und dann ich in Empfang genommen.
Mein Koffer durfte in einer Gepäckecke auf mich warten und ich bekam einen Tisch (umgekehrt wäre es etwas seltsam gewesen…).
Ich bestelle neben Kona-Kaffee (dem „echten“, nicht dem „Blend“!) „Loco Moco“:
„Ein Loco Moco ist ein deftiges, traditionelles Gericht aus Hawaii, das oft zum Frühstück, aber auch als herzhaftes Mittag- oder „Plate Lunch“ gegessen wird.
Die klassischen Hauptzutaten
• Reis: Eine Basis aus weißem Reis
• Burger-Patty: Ein saftiges Rinderhackfleisch-Patty (Frikadelle)
• Bratensoße: Eine herzhafte, braune Zwiebel- oder Pilz-Bratensoße (Gravy), oft verfeinert mit Soja- oder Worcestersauce
• Spiegelei: Ein Spiegelei (meist mit flüssigem Eigelb) obendrauf, das beim Aufschneiden mit der Soße vermischt wird
Geschichte und Hintergrund
• Entstehung: Das Gericht wurde in den 1940er-Jahren in Hilo (Big Island, Hawaii) erfunden – ursprünglich als günstiges, sättigendes Essen für hungrige Teenager.
• Charakter: Es ist ein echtes Comfort Food, das energiereich ist und morgens die perfekte Grundlage bietet, um gestärkt in den Tag zu starten.“
Na, wenn das „hungrige Teenager“ satt macht, dann hab ich ja ne Chance heute auf das Mittagessen verzichten zu können (Medikament ist auch seit gestern aufgebraucht…also die regelmäßige Regelmäßigkeit der Nahrungsaufnahme somit etwas gelockert!)!?
Lecker war es … und sättigend!
Beim Bezahlen machten der Kellner und ich noch Witze darüber, wie groß doch mein Koffer ist. Als ich ihm von den 3 Monaten unterwegs erzählte, bekam ich auch von ihm einen Applaus geschenkt!
So verlasse ich nun die Stadt mit den herzlichsten, freundlichsten und aufgeschlossensten Menschen, die ich auf meiner Reise kennenlernen durfte und mache mich auf den Weg meiner letzten Destination in Japan!
Kommentar verfassen