Welch herrliches Chaos!

Nachdem ich gestern meinen Koffer abgegeben habe und durch die Sicherheitskontrolle war (natürlich nicht ohne „random drugtest“ und Rucksack, der durchsucht wurde!), las ich mir erstmal die Rezensionen von meinem Airbnb in Palermo, zu dem ich aufbrach, durch (und erneut ärgerte ich mich, dies überhaupt gemacht zu haben, denn ich wurde hellhörig bei Dingen bei denen ich, jetzt im eingecheckten Rückblick, auch hätte taub sein dürfen…aber egal! Und es zeigt wie schon oft: schlechte Beurteilungen sind nicht unbedingt objektiv (ganz anderes natürlich meine Bewertungen bezüglich der Schimmel-Unterkunft in Istanbul…völlig anderer Schnack (und natürlich auch mein Schnack!!))).

Mein Koffer, der Gute, rollt und fährt wie ne Eins…tragen ist da allerdings ein anderes Thema: als ich ihn gestern in Focene, die eine Etage nach unten tragen wollte, macht es plötzlich „knack“, dann an einer anderen Stelle „knurks“ und ein Schmerz schoß durch meinen Rücken, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich den Koffer (oder irgendwas) nochmal tragen kann ohne mir eine schwerwiegende Rückendeformation zuzuziehen!

Das passierte vor dem Flughafenaufenthalt, so dass ich die Stunden, die ich dort wartete, mit Dreh-, Häng- und Mikrobewegungen verbrachte…man/frau hat ja schließlich ne Yogalehrerinnen-Ausbildung!

Hat tatsächlich auch was gebracht und mich draufgebracht, dass dieses Gebaumsel an meinem Rucksack auch nicht unbedingt dazu führt, ihn rückenschonend anzuziehen und zu tragen!

Dieses Gebaumsel ist mein sogenanntes Nackenkissen, welches ich dann spontan in einem Rom-Fiumicino-Mülleimer entsorgte!

Was eine Wohltat! Dieses Kissen war nämlich komplett für den Ar××× (und das Wort, das ich meine, hört nicht mit „m“ auf), denn für den Nacken war es sicher nicht, der tut nämlich (auch) seit dem Langstreckenflug ziemlich weh!

Meine „ITA Airways“-App machte Geräusche, ich schaute drauf und was las ich…“Verspätung“!

Eine halbe Stunde später sollte der Flug jetzt starten.

Mein innerer Paniker (leider hat sich der auf der Reise nicht erholt und grundentspannt!) schlug Alarm: „Was ist, wenn ich nicht es nicht pünktlich zu meinem Abendessen schaffe?“, „Ich hab der Vermieterin doch gesagt, ich komme dann und dann…was ist, wenn sie nicht wartet?“… Unglaublich unkonstruktiv und völlig übertrieben!!! Mein Tisch war für 21:30 reserviert, das Flugzeug sollte ursprünglich um 18:20 landen, jetzt halt ne halbe Stunde später, trotzdem noch end viel Zeit und der Vermieterin, der schrieb ich einfach… Aber gut, „der Paniker“ begleitet mich treu (hier hätte ich gar nichts gegen Untreue!!) schon seit Jahren, der hält nicht einfach so die Klappe…

Das Gate wurde bekanntgegeben und kurze Zeit später, stand schon eine Schlange an, die wartete endlich am Bord zu dürfen.

Die Dynamik war allerdings eine völlig andere als in Japan und ich stellte mich grinsend an das wuselige Ende an.

Unser Flieger, der mit Verspätung ankam, wurde menschenentleert und die Menschen mussten sich durch uns durchmanövrieren, da wir natürlich im Weg standen. Innerlich hatte ich Bauchkrämpfe vor Lachen und merkte, ich bin wohl eher „Team Chaos“ (in diesem Fall Italien) und nicht so sehr „Team Ordnung “ (Japan).

Die Dame vom Bodenpersonal schrie: „Gruppo 3, andiamo, andiamo“… Anscheinend wollten noch einige mehr pünktlich zum Essen ankommen!

Wir (also „Gruppo 3“ sollte uns schnell in Bewegung setzten und aufstellen, um…dann wieder zu warten, denn der Flieger war noch nicht gereinigt!

Dann ging aber tatsächlich alles fix und wir holten fast die geplante Zeit wieder ein (in Palermo gelandet, raste der Pilot quasi über die Rollbahn zu unserem Gate!!).

Der Koffer kam schnell, das Sammeltaxi habe ich sofort gefunden und da es rasch voll war, ging es auch zügig los!

„• Sammeltaxis am Flughafen Palermo: Kostengünstige und direkte Alternative zum Privattaxi.
• Preise: Ca. 8 bis 10 € pro Person (Vergleich Privattaxi: ca. 40–50 €).
• Standort: Ca. 50 Meter rechts nach dem Verlassen der Ankunftshalle.
• Ablauf: Minivans fahren ohne festen Fahrplan ab, sobald sie gefüllt sind.“ Quelle:Google

Ich war die Erste, die raus musste und dies geschah auf „sizilianische Art“ (abgesehen von den roten Ampel, die überfahren, aber nicht vom römischen Italiener neben mir übersehen wurden (Italien ist halt nicht Italien!)!)

Wie standen an der Ampel (wahrscheinlich nur, weil ein anderes Auto vor uns war, ansonsten hätte er die Ampel sicher mitgenommen), die dreispurige Straße vierpurig mit Fahrzeugen vollgestellt, steigt der Fahrer, auf einmal aus dem Kleinbus aus, rennt einmal uns Auto, reißt die Tür auf, ich sitze hinten, die Frau vor mir muss sich an ihren Nebenmann quetschen, damit der Sitz nach vorne geht und ich aussteigen kann, zum Kofferraum, in der Zwischenzeit ist es schon grün geworden, ich steh jetzt mit Koffer und Rucksack zwar am Straßenrand, allerdings noch auf der Gass, da es dort, wo ich rausgelassen wurde (noch) keinen Gehweg gab, ich drück ihm Geld in die Hand, er muss noch wechseln, er rennt zum Auto zum Fahrersitz zurück, kramt (allerdings in diesem Moment auch schon ein wenig hektisch) das Wechselgeld zusammen, ich am Beifahrerfenster, immer noch auf der Straße, dann Geldübergabe an mich via Fahrgast vorne am Fenster, er fährt los, ich noch samt Gepäck auf der Fahrbahn.

Auf dem sicheren Bürgersteig angekommen, hat mich erstmal ein Lachkrampf überrollt… Herrlich, dieses Chaos!!!

Eingecheckt und ausgepackt, frischgemacht, umgezogen und etwas Farbe ins Gesicht und dann ging’s raus ins trubelige Palermo an einem Samstag im November.

Es waren noch 18 Grad, es wurde draußen unter Plastikpavillons gesessen und gegessen oder flaniert oder auf Bänken gesessen, gelacht, geredet, auch durcheinander und das Leben genoßen!

Ich schlängelte mich auf dem Weg zu meiner Restaurant durch eine Bar, die auf die Straße verlegt wurde und merkte schon hier: Frauen untereinander (auch mir gegenüber) gehen hier sehr (!) solidarisch miteinander um!

Im Restaurant war ich zwar von Ausländern (wie mir) nur so umzingelt, allerdings war ich die Einzige, die den Espresso als Caffe bestellte und dazu einen Limocello, was mit einem breiten Grinsen und einen „Bravo“ von der Bedienung quittiert wurde.

Abschließend hatte ich noch eine lange Unterhaltung mit dem amerikanischen Paar neben mir (aus Chicago). Wir feierten die Midterm Elections in den USA, blickten aber alle mit ungutem Gefühl auf den momentanen politischen Rechtsruck weltweit.

Und heute, heute hab ich Palermo angeschaut, durchstreift und war mittendrin und ich muss sagen: Ich bin schockverliebt!!!

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